Rezension: Lesen und Rechtschreiben lernen nach dem IntraActPlus-Konzept von Jansen et al.

Jansen, Streit und Fuchs haben basierend auf ihrem IntraActPlus-Konzept ein Lese- und Rechtschreibtraining entwickelt, das im Springer Verlag erschienen ist. Das 600 Seiten starke Werk besteht aus 28 Seiten theoretischer Einführung und Erläuterung des Therapiekonzepts sowie einer Beschreibung auf 36 Seiten der einzelnen Übungen. Dem schließen sich die Arbeitsblätter an. Mitgeliefert wird weiterhin ein kompletter Registersatz für den Einsatz eines breiten, selbst zu erwerbenden Ordners.

Das Lese- und Rechtschreibtraining richtet sich an normalbegabte und lernschwache Kinder sowie Kinder mit Legasthenie und Kinder mit Migrationshintergrund gleichermaßen. Es handelt sich also nach den Autoren nicht um ein explizites Therapieprogramm für Kinder mit Lese-Rechtschreibstörung. Diese Rezension soll klären, ob das Therapieprogramm für Kinder mit einer umschriebenen Teilleistungsstörung gewinnbringend eingesetzt werden kann.

Automatisierung stellt bei den Autoren ein wichtiges Therapierational dar, dem das ganze Vorgehen untergeordnet wird. Automatisierung (z.B. das schnelle Erkennen von Buchstaben) erfolgt durch ausreichende Wiederholung einzelner Lern- bzw. Wissenschritte, die ohne Ablenkung durchgeführt werden. So finden sich bei den Arbeitsmaterialien entsprechend nicht zahlreiche bunte und abwechslungsreiche Übungen, sondern die Konzentration auf einige effektive Vorgehensweisen. Sicherlich ein wichtiges Wirkprinzip, das zahlreiche Autoren von Lehrbüchern der Grundschule konsequent missachten.

In Kapitel zwei erläutern die Autoren einige Regeln zum Lernen der Rechtschreibung, wobei die meisten dieser Empfehlungen (“häufiges Wiederholen”, “Fehler nicht anschauen lassen” und “nicht mehrere neue Lernschritte gleichzeitig einführen”) den meisten professionellen Therapeuten bekannt sein sollten.

Im Anschluss werden die durchzuführenden Übungen sehr genau beschrieben. Zusätzlich sind Links angegeben, die auf Videodemonstrationen der Übungen verweisen. Innovativ.
Zu beachten ist, dass es sich bei dem vorliegenden Material nicht um Kopiervorlagen handelt. Therapeuten, die mit dem Material arbeiten, müssen von daher pro Therapiekind einen Satz bestellen, der aber im Verhältnis relativ preisgünstig ist.

Inhaltlich erarbeitet man sich mit “Lesen und Rechtschreiben lernen” zuerst die Großbuchstaben, denen die Kleinbuchstaben folgen. Nachdem die Kinder die Einzelbuchstaben beherrschen, werden Buchstabenkombinationen in einer sinnvollen Reihenfolge eingeführt, die gelesen werden sollen. Ziel ist immer die Automatisierung. Schließlich folgen einfache Lesesätze, die bis zum Schweregrad Mitte der zweiten Klasse reichen.
Auch bezüglich des Schreibens werden die Buchstaben einzeln eingeführt. Wie auch beim Lesen steht eine zügige Automatisierung im Vordergrund. Darauf folgend werden einfache Wörter eingeführt, die schrittweise in ihrem Schweregrad gesteigert werden. Orthografische Regeln, bzw. Strategien wie das Trennen in Silben werden dabei außer acht gelassen. Allein das Wortbild soll mit Hilfe des Karteikastens gelernt und in Form von kurzen Diktaten überprüft werden.

Insgesamt orientieren sich große Teile des Werkes an einer sicheren Etablierung der Grafem – Laut-Kombination wie auch der Laut-Grafem-Kombination, die die Basis für das Lesen und Schreiben darstellen. Dieses Ziel zu erreichen, gelingt den Autoren sehr gut, denn das Vorgehen – auch wenn es zum Teil recht reduziert wirkt – umfasst genau die Übungen, die effektiv zum Ziel führen. Inhaltlich reicht das Werk bis Anfang der zweiten Klasse.

Jansen, Streit und Fuchs legen ein gelungenes Lernmaterial zum Erlernen des Lesens und Schreibens vor, das für Lese- und Schreibanfänger konzipiert wurde und auch für Kinder mit Legasthenie geeignet ist, die deutliche Probleme haben, sich Laut-Buchstabenkombination anzueignen. Weiterhin kann mit dem beschriebenen Vorgehen bezüglich der Rechtschreibung der Wortschatz bis Mitte der zweiten Klasse erarbeitet werden. Insgesamt also ein Therapiekonzept, das auch in der professionellen LRS-Therapie sinnvoll eingesetzt werden kann.

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Fritz Jansen, Uta Streit, Angelika Fuchs (2007). Lesen und Rechtschreiben lernen nach dem IntraActPlus-Konzept. Berlin: Springer Verlag
ISBN-13: 978-3540729341

 

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