Metastudie: Lesefehler bei älteren Schülern schwer zu therapieren

Therapiestudien werden deutlich häufiger bei Kindern der ersten Klassenstufen durchgeführt als bei Schülern höherer Klassen. Allgemein gilt, dass man bei jüngeren Schülern mit einer LRS größere Therapieeffekte erwarten kann als bei älteren Schülern mit einer Legasthenie. Um mehr über die Effektivität von therapeutischen Interventionen bei älteren Schülern mit einer Legasthenie zu erfahren, führten Flynn, Zheng und Swanson eine Metastudie durch. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in der Zeitschrift Learning Disabilities Research & Practice.

Flynn et al. suchten nach Therapiestudien zur Verbesserung des Lesens und Schreibens, die zwischen 1960 und 2009 veröffentlicht wurden. Dabei mussten die Teilnehmer der Studie zwischen der fünften und neunten Klasse sein, die Studie musste eine Kontrollgruppe beinhalten, in einer Fachzeitschrift (peer-reviewed; hier überprüfen Fachleute vor Veröffentlichung, ob die Studie und das Studiendesign gewissen Ansprüchen genügen) veröffentlicht sein und der Prozentrang im Bereich des Lesens musste unter PR 25 liegen. Von ursprünglich 50 gefundenen Studien konnten 10 Studien diese Kriterien erfüllen.

Es zeigte sich in der Metaanalyse, dass die größten Verbesserungen im Leseverständnis zu registrieren waren, wohingegen Fortschritte in der Leseflüssigkeit (Fehler und Geschwindigkeit) nicht feststellbar waren. Weiterhin führten mehr Trainingseinheiten (Studien mit mehr als 31 Sitzungen) nicht zu größeren Fortschritten im Lesen. Jedoch beeinflusste das Alter das Therapieergebnis. Hier zeigten sich Verbesserungen in den erhobenen Lesewerten dann, wenn die Schüler jünger als 10 Jahre oder älter als 12 Jahre waren.
Studien mit höheren Effektstärken zeichneten sich weiterhin dadurch aus, dass sich die Übungen vom üblichen Unterricht unterschieden, die Lösungsansätze vom Trainer den Kindern modellhaft gezeigt wurden (im Sinne von Modelllernen), die Trainingseinheiten zwischen 45 und 60 Minuten lagen und die Schüler im Laufe des Trainings ein Feedback zu ihrem aktuellen Leistungsstand bekamen. Auch zeigte sich, dass die Fortschritte im Lesen abnahmen, je größer die Trainingsgruppen waren.

Bemerkenswert ist die geringe Anzahl der gefundenen Therapiestudien, von daher müssen auch die Ergebnisse zurückhaltend interpretiert werden. Insgesamt kann man jedoch festhalten, dass bei älteren Schülern die Leseflüssigkeit schwierig zu therapieren ist.

Quelle:
Flynn, L.J., Zheng, X. & Swanson, H.L. (2012). Instructing struggling older readers: a selective meta-analysis of interven-tion research. Learning Disabilities Research & Practice, 27, 21-32.

 

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