Lesetest

1. Allgemeines zu Lesetests

Im Rahmen der Eingangsdiagnostik zur Feststellung einer Legasthenie wird neben dem Rechtschreibtest auch ein Lesetest durchgeführt. Im Rahmen dieses Lesetests wird eine Aussage über die Qualität des Lesens getroffen. Hierbei werden oft Aussagen über die Anzahl der Lesefehler und die Lesegeschwindigkeit getroffen. Je nach Lesetest werden verschiedene Maße erhoben. So erhält man beim SLRT-II einen kombinierten Testwert, der in erster Linie eine Aussage über die Lesegeschwindigkeit trifft, in den aber auch die Anzahl der Lesefehler eingeht. Der Zürcher Lesetest-II hingegen erhebt getrennte Werten für die Lesegeschwindigkeit und die Anzahl der Lesefehler.

Ein weiteres interessantes Maß bei Lesetests stellt das Leseverständnis dar, das jedoch im Rahmen der Legastheniediagnostik eine untergeordnete Rolle spielt. Auffälligkeiten beim Leseverständnis lassen sich in der Regel als Sekundärsymptomatik des gestörten Leseprozesses interpretieren, da die Kinder mit sehr starker Lesesymptomatik ihre gesamte Aufmerksamkeit auf das Lesen als solches richten, sodass für die Sinnentnahme keine Kapazität mehr zur Verfügung steht.

2. Überblick über die gängigen Lesetests

2.1 Zürcher Lesetest – II (ZLT-II)

Franz Petermann und Monika Daseking haben eine neue Version des ZLT veröffentlicht. Der ZLT-II erhebt Lesezeit und Lesefehler getrennt für einen weiten Gültigkeitszeitraum (1. bis 8. Klasse). Die Lesezeit und die Lesefehler werden anhand von Wörterlisten und kurzen Textabschnitten bestimmt. Je nach Klassenstufe kommen unterschiedliche Listen und Texte zum Einsatz. Weiterhin finden sich im ZLT-II auch Untertests für die Benennungsgeschwindigkeit und die Phonologische Bewusstheit.

Für die Auswertung der Lesegeschwindigkeit (Lesezeit) gibt es T-Werte und Prozentränge, für die Lesefehler stehen bei der Auswertung nur Prozentränge zur Verfügung.

2.2 SLRT-II

Der SLRT-II stellt die Weiterentwicklung des Salzburger Lese- und Rechtschreibtests (SLRT) dar. Die Testautoren sind Kristina Moll und Karin Landerl. Er erhebt die sogenannte Leseflüssigkeit, ein kombiniertes Maß aus Lesegeschwindigkeit und Lesegenauigkeit. Die Kinder haben die Aufgabe, eine Wörterliste laut vorzulesen. Erfasst wird die Anzahl der Wörter, die innerhalb einer Minute gelesen werden. Von diesem Wert werden dann noch falsch gelesenen Wörter abgezogen.

Für das Lesen stehen zwei Untertests zur Verfügung, nämlich eine Liste mit normalen Wörtern (z.B. Haus) und eine Liste mit Pseudowörtern (z.B. Luno). Das Lesen der normalen Wörter liefert einen Wert für das direkte automatisierte Lesen und das Lesen der Pseudowörter trifft eine Aussage über das synthetische Lesen (wie bei Leseanfängern üblich).

Normen stehen für die Klassenstufen 1 bis 6 zur Verfügung. Leider gibt es nur Prozentränge.

 

2.3 ELFE II

Der ELFE II von Wolfgang Lenhard, Alexandra Lenhard und Wolfgang Schneider aus dem Jahr 2018 ist ein Leseverständnistest, der aber auch Aussagen über die Lesegeschwindigkeit trifft. Er wird in letzter Zeit immer häufiger auch zur Diagnostik der Lesestörung verwendet.

Der ELFE II besteht aus drei Subtests, nämlich dem Wortverständnistest, dem Satzverständnistest und dem Textverständnistest. Beim Wortverständnistest muss aus vier Wörtern das passende Wort zum Bild ausgesucht werden und beim Satzverständnistest muss in einer Satzlücke ein passendes Wort eingefügt werden. Hierfür stehen fünf Wörter zur Auswahl. Beim Textverständnistest liest der Schüler einen kleinen Text mit einer dazugehörigen Frage und muss dann die richtige Antwort auswählen. Für die einzelnen Untertests existieren Zeitbegrenzungen.

Die Anzahl der richtig gelösten Aufgaben entspricht dem Wert des Leseverständnisses. Die Lesegeschwindigkeit wird über die Anzahl der bearbeiteten Aufgaben erhoben. Hierbei muss man beachten, dass der Wert der Lesegeschwindigkeit durch längeres Überlegen negativ beeinflusst werden kann. Lesefehler (z.B. Weglassen von Endungen) werden nicht erhoben.

Es stehen Normen von der ersten bis zur siebten Klasse in T-Werten und Prozenträngen zur Verfügung.

2.4 Salzburger Lesescreening für die Klassenstufen 5-8

Test von Auer, Gruber, Mayringer und Wimmer. Eine Liste von Sätzen muss möglichst gelesen und deren Wahrheitsgehalt beurteilt werden. Für alle vier Schulstufen der fünften bis achten Klasse liegen differenzierte Normen vor. Die Bearbeitungsdauer beträgt 10 Minuten.

2.5 Würzburger Leise Leseprobe

Von den Autoren Küspert und Schneider aus dem Jahr 1998. Misst die Lesegeschwindigkeit bei Kindern der Klasse 1 bis 4. Die reine Bearbeitungszeit beträgt fünf Minuten. Normen sind jeweils für die beiden letzten Monate der Klassenstufe verfügbar.

2.6 Hamburger Lesetest für 3. und 4. Klassen

Seit 2006 in der 2. überarbeiteten Fassung beziehbar. Der Test kann für die dritte und vierte Klasse eingesetzt werden. Er misst das Leseverständnis in Form von Multiple-Choice-Fragen zu vorgegebenen Texten, trifft jedoch auch Aussagen über die Lesegeschwindigkeit. Die Dauer für die Durchführung beträgt 90 Minuten.

2.7 Knuspels Leseaufgaben

Lesetest von Marx aus dem Jahr 1998. Normiert für die Klassen 1 bis 4. Misst die Lesefertigkeit des Dekodierens und Rekodierens von Wörtern und das Leseverständnis auf der Satzebene. Die Durchführung beträgt ca. 45 Minuten.DERET 3-4+: Anfang der fünften Klasse.

2.8 Zürcher Lesetest (ZLT, alte Version)

Der am weiten verbreitetste Lesetest, um die Jahrtauswende war der von Linder und Grissemann. Die letzte Auflage war die sechste Auflage.  Es existieren Normen für die zweite bis sechste Klasse. Neben der Lesetzeit werden auch die Lesefehler differenziert erfasst. Obwohl die Testergebnisse sehr oft dem dem Leistungsbild des Schülers entsprachen, sollte der alte ZLT aufgrund der sehr alten Normen nicht mehr verwendet werden.

2.9 Salzburger Lese- und Rechtschreibtest (SLRT, alte Version)

Verfahren von Landerl, Wimmer und Moser, das von der ersten bis zur vierten Klasse gültig ist. Erhoben wird die Lesezeit. Die Besonderheit des Tests ist, dass zwei Teilkomponenten des Lesens erfasst werden, nämlich das automatische Worterkennen und die Fähigkeit des synthetischen Lesens, woraus sich Ansatzpunkte für das therapeutische Vorgehen ergeben.