Trankranielle Stimulation zur Verringerung der Dyskaluliesymptomatik?

Eine irische Forschungsgruppe untersuchten in einer aktuellen wissenschaftlichen Arbeit, ob eine einmalige Sitzung der sogenannten transkraniellen Random-Noise-Stimulation (tRNS) die mathematische Genauigkeit von Menschen gezielt steigern kann. Bei dieser schmerzlosen Methode werden ausgewählte Hirnareale durch schwache, wechselnde Stromimpulse von außen stimuliert.

Im Fokus der Untersuchung standen zwei spezifische Regionen, die für die Verarbeitung von Zahlen von zentraler Bedeutung sind: der intraparietale Sulcus (IPS) im Parietallappen sowie der dorsolaterale präfrontale Cortex (DLPFC).

An der randomisierten und doppelblinden Crossover-Studie nahmen insgesamt 39 gesunde Studierende im Alter von durchschnittlich 21,4 Jahren teil. Jede Testperson absolvierte im Abstand von einer Woche zwei separate Sitzungen: einmal mit aktiver tRNS und einmal mit einer Schein-Stimulation (Sham). Parallel zur Stimulation führten die Teilnehmenden kurze Trainingsaufgaben zum Zahlverständnis durch und lösten Schätzaufgaben auf einem vierdimensionalen Zahlenstrahl.

Die Ergebnisse der Studie zeigen sehr deutliche Unterschiede je nach dem gewählten Stimulationsort. Wurde der IPS im Parietallappen stimuliert, verbesserte sich die Genauigkeit der Probanden signifikant. Die Geschwindigkeit der Reaktionen erhöhte sich dadurch jedoch nicht. Dieses klare Resultat bestätigt frühere Befunde, wonach der Parietallappen eine fundamentale Schlüsselrolle für die numerische Grundverarbeitung im menschlichen Gehirn spielt. Eine Stimulation des DLPFC zeigte hingegen keinerlei messbare Wirkung – weder auf die Genauigkeit noch auf die allgemeine Schnelligkeit.

Zudem spielte die persönliche Matheangst eine entscheidende Rolle: Personen mit ausgeprägter Angst vor Zahlen profitierten überhaupt nicht von der Methode, während Menschen mit geringer oder mittlerer Angst deutliche Fortschritte machten. Zuletzt zeigte sich ein nachhaltiger Lerneffekt: Wer zuerst die echte Stimulation erhielt, war auch in der zweiten Woche ohne Strom genauer.

Im Bereich der Legasthenietherapie zeigen Studien seit vielen Jahren positive Effekte der transkraniellen Stimulation. Die Studie weist Hinwiese auf, dass auch in der Dyskalulietherapie ein gewinnbringender Einsatz möglich sein könnte. Weitere Studien in diesem Bereich wären wünschenswert.

Duinin, E.O., Steopan, J.K., Kessler, K. & Santos, F.H. (2025).Effects on nonverbal numerical acuity performance after a single session transient random noise stimulation over the intraparietal sulcus or dorsolateral prefrontal corte. Scientific Reports, 15, Article 37977.