Welche LRS‐Risikokinder entwickeln in der Schule eine Legasthenie?

LRS-Risikokinder

Die finnischen Wissenschaftler Eklund, Torppa und Lyytinen interessierten sich für die Frage, welche Faktoren dafür verantwortlich sind, dass manche LRS-Risikokinder eine
LRS entwickeln und andere nicht. LRS-Risikokinder sind Vorschüler
bei denen mindestens ein Elternteil ebenfalls Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben aufweist.

Hierfür führten sie Untersuchungen an 106 LRS-Risikokinder und 92 Kontrollkinder zwischen dem fünften und achten Lebensjahr durch. Die Überprüfung über das Vorliegen einer Legasthenie fand am Ende der zweiten Klasse statt.

Eklund et al. erhoben an den selben Kindern im Vorschulalter zahlreiche kognitive Fertigkeiten (z.B. verbales Kurzzeitgedächtnis oder die Benennungsgeschwindigkeit) und ermittelten durch eine Art Faktorenanalyse vier Subgruppen. In der Gruppe 1 fanden sich fast ausschließlich LRS-Risikokinder wieder, die geringe Werte in der Benennungsgeschwindigkeit und der phonologischen Bewusstheit aufwiesen. Auch die spätere Lesegeschwindigkeit war deutlich reduziert. Kinder der Gruppe 2 zeigten mit zunehmendem Alter schlechtere Werte in zahlreichen kognitiven Bereichen. Diese Kinder wiesen später besonders viele Lesefehler auf. Kinder der Gruppe 3 zeigten gute
kognitive Werte und leichtere Schwierigkeiten beim Lesenlernen und die Gruppe Nummer vier war dadurch gekennzeichnet, dass sie keine Schwierigkeiten in der kognitiven Entwicklung und beim Lesen lernen zeigten.

Die finnischen Wissenschaftler untersuchten nun, in welcher Subgruppe sich zum Zeitpunkt der zweiten Klasse die meisten Kinder mit einer LRS-Diagnose zeigten. Der größte Anteil der Legastheniediagnosen fand sich in der Gruppe 1. Hier wurden
bei 75 Prozent der Kinder eine Legasthenie festgestellt. Der zweithöchste Anteil an LRS Diagnosen fand sich in der Subgruppe 2 mit 38 Prozent. 20 Prozent der Kinder der Gruppe 3 und 11 Prozent der Gruppe 4 entwickelten ebenfalls eine LRS.

Weiterhin wurde untersucht durch was sich die Kinder der Gruppe 1 und der Gruppe 2, die eine LRS entwickelten von den Kindern, bei denen keine Legasthenie festgestellt werden konnte unterschieden. Hier zeigte sich, dass sich die Kinder mit späterer Legasthenie im ersten Schuljahr weniger gut hinsichtlich ihrer phonologischen Bewusstheit entwickelten und nach Angaben der Lehrer weniger intensiv auf die schulischen Aufgaben fokussiertenein und größeres Vermeidungsverhalten
bei schulischen Aufgaben zeigten.

In den anderen beiden Subgruppen zeigten die Kinder, die später eine Legasthenie entwickelten, insgesamt eine geringere Leseaktivität, größere Schwierigkeiten in der phonologischen Bewusstheit wie auch beim schnellen Benennen.

Eklund et al. konnten herausarbeiten, dass man bei LRS-Risikokindern eine spätere LRS im Vorschulalter insbesondere an der phonologischen Bewusstheit und der Benennungsgeschwindigkeit erkennt. Kommt es im Laufe der ersten Klasse nicht zu einer Verbesserung der phonologischen Bewusstheit, vergrößert sich das Risiko weiter.

Quelle:
Eklund, K.M., Torppa, M. & Lyytinen H. (2013). Predicting reading disability: early cognitive risk and protective factors.
Dyslexia. Dyslexia, 19, 1-10.

Die obige Zusammenfassung der Studie von Eklund et al. wurde einer Ausgabe des Journals für Legasthenietherapie entnommen.