Arbeitsgedächtnis und Legasthenie

Das Arbeitsgedächtnis

Einschränkungen im Arbeitsgedächtnis, eine geringere Benennungsgeschwindigkeit und Schwächen bei der phonologischen Bewusstheit sind die drei Komponenten des sogenannten phonologischen Defizits der Legasthenie. Das phonologische Defizit stellt einen wichtigen ätiologischen Faktor der Legasthenie dar.

Das Arbeitsgedächtnis wiederum besteht aus drei Subsystemen, nämlich der zentralen Exekutive, der phonologische Schleife und der räumlich visuelle Notizblock.

  • Die phonologische Schleife (phonological loop)kann man sich als flüchtigen Informationsspeicher für auditive Inhalte vorstellen, wobei hier die auditiven Inhalte fortwährend wiederholt werden müssen, um sie im Speicher zu behalten.
  • Der räumlich visuelle Notizblock (visuo-spatial sketchpad) speichert kurzfristig visuelles Material.
  • Die zentrale Exekutive (central executive) führt Steuer- und Beobachtungsfunktionen diverser kognitiver Prozesse durch und ist z.B. beim Abruf von Langzeitinformationen oder der selektiven Aufmerksamkeitssteuerung beteiligt.

Bei Kindern mit Legasthenie wurde wiederholt festgestellt, dass die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses eingeschränkt ist.

Diagnostik

Durch die AGTB 5-12 von Marcus Hasselhorn et al. kann die Arbeitsgedächtniskapazität gemessen werden. Die Arbeitsgedächtnisbatterie für Kinder von 5 bis 12 Jahren erfasst mit Hilfe von 12 Subtests die drei Komponenten nach Baddeley, nämlich das zentral-exekutive, das phonologische und das visuell-räumliche Arbeitsgedächtnis (siehe oben).

Therapie

Nun stellt sich die Frage, ob man bei Kindern mit Legasthenie durch entsprechende Trainingsprogramme die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses verbessern kann, um dann Fortschritte im Lesen und Schreiben zu erzielen. Dies wurde in einer Studie von Mähler et al. (2019) untersucht. Leider fanden sie keine positiven Effekte durch ein entsprechendes Trainingsprogramm, sodass man konstatieren muss, dass sich die Leistungsfähigkeit des Arbeitsgedächtnisses nicht bzw. nur sehr schwer trainieren lässt.

Literatur
Mäehler, C., Joerns C. & Schuchardt, K. (2019). Training working memory of children with and without dyslexia. Children, 6, 47.