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Zahlreiche Fortbildungen zu ADHS, LRS & Dyskalkulie
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Therapie bei ADHS

1. Training mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern

Das Training mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern von Lauth und Schlottke (2009) besteht aus einem Basistraining und einem Strategietraining, die zusammen oder separat voneinander durchgeführt werden können.

Das Basistraining besteht aus insgesamt 13 Trainingseinheiten, welche die sogenannten Basisfertigkeiten (genaues Hinschauen und Zuhören sowie Wahrgenommenes möglichst exakt wiedergeben) trainieren. Diese Trainingsbausteine sind insbesondere für jüngere Kinder (erste bis vierte Klasse) geeignet, müssen jedoch nur von denjenigen bearbeitet werden, bei denen die Diagnostik in diesem Bereich Defizite festgestellt hat. Im Rahmen der Trainingseinheiten werden Bildbeschreibungen durchgeführt, Geräusche identifiziert und Inhalte aus vorgelesenen Geschichten wiedergegeben. Weiterhin sollen die Kinder in weiteren Trainingseinheiten durch den Einsatz einer Stopp-Signal-Karte - die später durch verbale Selbstanweisungen ersetzt werden ? lernen, Lösungen erneut zu überprüfen und sich dadurch einen weniger impulsiven Arbeitsstil aneignen.

Im Strategietraining sollen die Kinder lernen sich zu Beginn einer Aufgabe die relevanten Ziele zu vergegenwärtigen, ihr Verhalten im Voraus zu planen, durch die Anwendung von Selbstinstruktionen und der Anwendung allgemeiner Lösungsstrategien eine bessere Verhaltensperformance zu erzielen und durch den Einsatz von Selbstanweisungen mit Ablenkungen und Frustrationen besser umzugehen. Das Strategietraining ist für 8 bis 12-jährige Kinder geeignet und besteht aus insgesamt 12 Trainingseinheiten.

Weiterhin finden sich in dem Programm Therapiebausteine zu den Themen Elterninformation über Aufmerksamkeitsstörungen, Interventionen zur Verbesserung der Eltern-Kind-Interaktion, eine Therapieeinheit zur Vermittlung sozialer Kompetenzen und Hinweise zur Zusammenarbeit mit Ärzten und Lehrern.

Lauth und Schlottke stellen ein mittlerweile mehrmals überarbeitetes und evaluiertes Behandlungsprogramm für Kinder mit Defiziten beim genauen und planvollen Arbeiten zur Verfügung. Der Ablauf der einzelnen Therapiestunden wurde sehr genau ausgearbeitet und mit vielen wertvollen Handlungsanweisungen ergänzt ? von denen insbesondere Berufseinsteiger profitieren werden. Alle notwendigen Materialien stehen im Behandlungsmanual als Kopiervorlage zur Verfügung.

 

2. Therapieprogramm  für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten (THOP)

Von Döpfner, Schürmann und Frölich gibt es seit 1997 ein umfassendes verhaltenstherapeutisches Interventionsprogramm, das eine Verringerung der oppositionellen Symptomatik des Kindes durch eine Veränderung der Eltern-Kind-Interaktion zum Ziel hat. Die Bezeichnung THOP stellt die Abkürzung für ?Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten dar? und ist mittlerweile in der dritten Auflage mit einer CD ververfügbar, auf der die Materialien im PDF-Format vorhanden sind. Es richtet sich in erster Linie an die Eltern, wobei die Therapie in Form von einzeltherapeutischen Sitzungen realisiert wird. Eine Realisierung als Gruppentraining wäre prinzipiell denkbar, jedoch werden bei Döpfner et al. (2002) diesbezüglich keine Angaben gemacht. Im Behandlungsprogramm THOP finden sich keine Übungen und Maßnahmen zur Förderung von Konzentration und Aufmerksamkeit bei Kindern. Ein Behandlungsprogramm, dass eine Steigerung konzentrierten Arbeitens der Kinder zum Ziel hat, ist das Training von aufmerksamkeitsgestörten Kindern von Lauth und Schlottke, das weiter unten besprochen wird.

Nach einem ausreichend ausführlichen allgemeinen Teil über Symptomatik, Klassifikation, Störungsverlauf und einem kurzen Überblick über therapeutische Interventionen wird im Manual ausführlich die Konzeption des Programms vorgestellt. Für die Diagnostik stehen Fragebögen zur qualitativen und quantitativen Erfassung (inklusive Normen) und Anamnesebögen zur Verfügung. Im Anschluss an die Diagnostik wählt der Therapeut aus den vorhandenen Therapiebausteinen, die indizierten Interventionen aus.

Insgesamt besteht das Programm aus sieben Themenblöcken, die in der Praxis jedoch nicht alle durchgeführt werden. Der erste Themenblock wird in der Regel bei allen Therapien durchlaufen werden und umfasst die Problemdefinition, die Entwicklung eines Störungskonzeptes und die Behandlungsplanung. Themenblock zwei umfasst die Förderung positiver Eltern-Kind-Interaktionen durch die Etablierung von gemeinsamen positiven Erlebnissen der Eltern mit ihren Kindern durch gemeinsames Spielen und Führen eines Tagebuches über positive Erlebnisse mit ihren Kindern. Bei fast allen Therapien sollten mindestens Elemente dieser Einheit realisiert werden. Der dritte Themenblock ist im Therapieprogramm von essentieller Bedeutung und umfasst die Interventionen zur Verminderung oppositioneller Verhaltensweisen. Hier lernen die Eltern Familienregeln aufzustellen, wirkungsvolle Aufforderungen zu stellen, das Kind bei gewünschtem Verhalten zu belohnen und negative Konsequenzen bei Nichtbeachtung der Aufforderung durchzuführen. Bemerkenswert bei diesem Themenblock ist, dass weniger die positive und negative Verstärkung im Mittelpunkt steht, sondern dass sich durch klare Regelungen und adäquates Auffordern kritische Familieninteraktionen schon im Vorfeld verhindern lassen.

Im Themenblock vier werden schließlich einige operante Methoden behandelt, die vom Therapeuten dann eingesetzt werden können, wenn die Maßnahmen aus Themenblock drei nicht ausreichen. Zu den operanten Methoden gehören Punkte-Pläne für erwünschtes Verhalten (Token-System), Verstärkerentzug wenn das Problemverhalten gezeigt wird, Auszeit (time-out), die alle ausführlich erläutert werden. Der Themenblock fünf beinhaltet eine ausführliche Beschreibung eines Spieltrainings, das insbesondere bei Vorschulkindern eingesetzt werden kann, um die Beschäftigungsintensität und Ausdauer zu steigern. Weiterhin findet sich hier Selbstinstruktionstraining, das mit dem einen planvollen und reflektierenden Arbeitsstil einübt. Abgeschlossen wird dieser Themenblock durch den Therapiebaustein Selbstmanagement, in dem das Kind lernen soll, Verhaltensziele zu formulieren, sich bezüglich der Ziele selbst zu beobachten und zu bewerten und sich bei Erfolg selbst zu belohnen. Die weiteren Therapiebausteinen haben die Bewältigung von kritischen Hausaufgabensituationen und das Erlernen adäquaten Verhaltens in  der Öffentlichkeit. Die letzten beiden Themenblöcke thematisieren Maßnahmen für Eltern zur Stabilisierung der Therapiefortschritte und einen Informationsblock über Medikamente für Kinder.

THOP liegt seit kurzem in der vierten Auflage vor. Eine evaluierte Elternversion des THOP ist das Buch Wackelpeter und Trotzkopf, was kompetenten Eltern empfohlen werden kann.

 

 

Literaturtipps


Viel praktisches Wissen aus dem psychotherapeutischen Alltag findet sich in dem Buch von Armin Born und Claudia Oehler "Lernen mit ADS-Kindern" und als aktuelles (kinder- und jugendpsychiatrisches) Fachbuch zum Thema, kann das
"Praxishandbuch ADHS"  von Kahl, Puls und Schmid empfohlen werden. Ein sehr gutes Grundlagenwerk!

Inhaltlich verwandte Texte

Marburger Konzentrationstraining - Beschreibung des Marburger Konzentrationstraining, das für die Schule konzipiert wurde.
Diagnostik - Text über die Diagnostik bei ADHS
ADHS - Grundlagentext über Symptomatik, Ätiologie und Therapie

Genannte Quellen

Manfred Döpfner, Stephanie Schürmann, Jan Frölich (2007). Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten. THOP. Beltz Verlag. ISBN-13: 978-3621276047

Gerhard W. Lauth & Peter F. Schlottke (2002). Training mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern. Weinheim: Beltz-Verlag. ISBN 362127474X

Döpfner, M., Schürmann, S. & Lehmkuhl, G. (2006). Wackelpeter und Trotzkopf. Weinheim: Beltz-Verlag.
ISBN: 3-621-27567-3

 

 

 

 

 


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