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Informtionen über das Medikament Strattera mit dem Wirkstoff Atomoxetin

Strattera ist in den USA seit 2002 für die medikamentöse Behandlung bei ADHS für Kinder und Erwachsene verfügbar. In Deutschland ist Strattera seit 2005 für Kinder ab sechs Jahren, Jugendliche und Erwachsene zugelassen.
Strattera ist eine Behandlungsoption für Kinder, die auf Medikamente mit Methylphenidat (Medikinet, Concerta, Ritalin) nicht reagieren. Circa 25 Prozent der Kinder mit ADHS, die eine medikamentöse Behandlung mit Methylphenidat erhalten, zeigen keine Verbesserung der Symptomatik. Weiterhin zeigt ein Prozentsatz der Kinder sogenannte Reboundeffekte (besonders starke ADHS-Symptomatik wenn Medikamente zu wirken aufhören).

 

Kurzzusammenfassung in Tabellenform

Kurzdarstellung der wichtigesten Daten zu Strattera im Vergleich zu den häufiger verschriebenen Medikamenten wie Ritalin, Medikinet und Concerta

Name des Medikaments

Wirkstoff

Beeinflusstes Transmittersystem

Effekt auf Transmitterebene

Strattera

Atomoxetin

noradrenerges System

erhöht Konzentration von Noradrenalin

z.B. Ritalin, Medikinet, Concerta

Methylphenidat

dopaminerges System

erhöht Konzentration von Dopamin

 

Grundlagen

Atomoxetin (der Wirkstoff des Medikaments Strattera) ist ein selektiver Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Strattera führt zu einer erhöhten Konzentration von Noradrenalin im synaptischen Spalt, indem es dafür sorgt, dass am präsynaptischen Neuron, das Noradrenalin nicht wieder aufgenommen wird. Da das Noradrenalin also nicht abgebaut wird, kommt es im weiteren Verlauf zu einer Anreicherung des Noradrenalins.

Noradrenalin (wie auch Dopamin) gehören zum katecholaminergen Transmittersystem, das eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Aufmerksamkeit und Motorik spielt. Das noradrenerge System und dopaminerge System sind dabei eng miteinander verknüpft.

Man unterscheidet gegenwärtig zwei Aufmerksamkeitssystem den jeweils ein Transmittersystem zugeordnet wird (vorderes und hinteres Aufmerksamkeitssystem sind jedoch eng miteinander verknüpft):

  1. Das vordere Aufmerksamkeitssystem: wird in erster Linie durch Dopamin gesteuert; spielt eine wichtige Rolle bei Motivation und Antrieb.
  2. Das hintere Aufmerksamkeitssystem: wird in erster Linie durch Noradrenalin gesteuert; spielt eine wichtige Rolle bei Aufmerksamkeit.
     

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Strattera beeinflusst auch das dopaminerge System

Nach der Gabe von Methylphenidat (Stimulanzien) kommt es zu einer Anreicherung des Dopamins im präfrontalen Kortex, im Striatum und im Nucleus accumbens. Wird Strattera verabreicht nimmt auch die Konzentration von Dopamin - wie bei Methylphenidat - im präfrontalen Kortex zu. Im Gegensatz zum Methylphenidat nimmt bei der Gabe von Strattera jedoch nicht die Konzentration von Dopamin im Striatum und im Nucleus accumbens zu.

 

Wirkung

Es zeigen sich durch Strattera eine geringere Hyperaktivität, eine erhöhte Aufmerksamkeit und eine verringerte Impulsivität (z.B. dazwischen reden, nicht warten können). Michelson, Faries, Wernicke, Kelsey, Kendrick, Sallee und Spencer (2001) konnten zeigen, dass bei einer Dosierung von 1,2 mg/Kilogramm Körpergewicht eine gute Wirkung eintritt und man durch die Dosiserhöhung auf 1,8 mg/Kilogramm Körpergewicht im Durchschnitt keine weiteren Effekte erzielt.

Kratchovil et al. (2002) konnten in einer weiteren Studie zeigen, dass Strattera die selbe Effektivität wie Medikamente mit Methylphenidat (z.B. Ritalin oder Medikinet) aufweisen.In weiteren Studien konnte gezeigt werden, dass eine morgendliche Gabe für den ganzen Tag ausreicht, so dass eine mehrmalige Einnahmen über den ganzen Tag nicht notwendig sind.
Die Wirkung des Medikaments wird nach einer ein- bis dreiwöchigen Einnahme sichtbar und erreicht ihren Höhepunkt nach sechs Wochen.

 

Nebenwirkung von Strattera

Nebenwirkungen treten insgesamt selten auf. Als meist vorübergehende Nebenwirkungen sind bei Strattera bekannt:
Appetitverlust, Übelkeit und Müdigkeit. Weiterhin können als Nebenwirkungen ein etwas erhöhter Blutdruck und eine leichte Steigerung der Herzfrequenz auftreten. Bei Beginn der medikamentösen Behandlung zeigte sich bei einem Teil der Patienten eine erhöhte Müdigkeit über den Tag.

Bei einigen Patienten zeigten sich in placebokontrollierten Studien Schlaflosigkeit, eine depressive Symptomatik, frühes Erwachen am Morgen und ein Tremor. Bei erwachsenen Männer zeigen sich unter der Einnahme von Strattera relativ häufig Errektionsstörungen und Impotenz.

Becker, Wehmeier und Schmidt berichten in ihrem Buch über Strattera von einer Studie aus dem Jahr 2003 von Kratchovil, in der die Wirksamkeit von Strattera und die Nebenwirkungen bei Kindern im Altern von sechs und sieben Jahren untersucht wurde. Insgesamt zeigte sich eine Reduzierung der ADHS-Symptomatik. Es wurden dabei die Daten von 323 Kindern (aus verschiedenen Studien) erfasst. Dabei zeigten 19,9 Prozent der Kinder Kopfschmerzen, 13,3 Prozent einen verminderten Appetit, 11,2 Prozent Husten, 9,2 Prozent Oberbauchbeschwerden, 9,2 Prozent Erbrechen, 7,1 Prozent Obstipation und 5,6 Prozent Diarrhö.

 

 

Literaturtipps

Empfehlenswertes Fachbuch zur allgmeinen medikamentösen Behandlung bei ADHS: Handbuch Psychopharmaka für das Kindes- und Jugendalter. Das im Thieme-Verlag erschienene Buch "Das neuroadrenerge Transmittersystem bei ADHS beschäftigt sich detailliert mit dem Wirkstoff Atomoxetin.

Inhaltlich verwandte Texte

Medikamente - recht ausführlicher Grundlagentext über die medikamentöse Behandlung bei ADHS
ADHS - Symptomatik, Klassifikation, Ätiologie und Therapie

Genannte Quellen

Michelson, D., Fairies, D., Wernicke, J., Kelsy, D. Kendrick, K. Sallee, R. Spencer, T. (2001). Atomoxetine ADHD Study Group. Atomoxetine in the treatment of childrend and adolescents with attention-deficit/hyperactivity disorder: a randomized, placebo-controlled, dose-response stuy. Pediatrics. 108 (5). e83-391.

 

 

 


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