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Gehirngerechtes Lernen mit dem Computerprogramm SEGMENTI

Regine Müller
Beitrag vom 30.04.2009

Segmenti ist ein Computerprogramm für die Rechtschreibförderung und stellt eine Sammlung sinnvoller Programme dar, die in der ambulanten Legasthenietherapie eingesetzt werden können. Das Hauptanliegen dieser Programmsammlung ist die Steigerung der Bewusstheit für Wortsegmente (Silben und besonders Morpheme), die wie die phonologische Bewusstheit eine sehr wichtige Komponente in der Verbesserung des Schreibens (und auch Lesens) bei Kindern mit einer Legasthenie darstellt.

In Segmenti sind beispielsweise Übungen zur Bestimmung der Silbenanzahl, zur Trennung von Wörtern in Silben, zum Suchen des Wortstamms innerhalb von Wörtern  und zum Bauen von Wörtern aus Präfix, Wortstamm und Suffix realisiert.

Unser Gehirn ist auf Musterwahrnehmung und Mustererkennung angelegt, um Gedächtnisstrukturen auszubilden. Lernen geschieht nur, wenn Regelmäßigkeiten und Musterhaftes wahrgenommen werden. (Schirp, 2006). Das Computertrainingsproramm Segmenti arbeitet mit den 1000 häufigsten Morphemen sortiert nach Rechtschreibmustern, um die Regelhaftigkeiten der Wortstrukturen spielerisch zu vermitteln. Präfixe, Suffixe und besonders Wortstämme sollen als bedeutungstragende Schreibmuster wahrgenommen und verinnerlicht werden. Mit nur wenigen Schreibmustern (1000 Morphemen) und dem Verstehen ihrer regelhaften Kombinationsmöglichkeiten können so 100000 Wortformen bewältigt werden.

Nach Schirp (2006) gilt weiterhin, dass zur inneren Musterbildung ähnliche Muster häufig angeboten werden müssen. Durch die Beschränkung auf die 1000 häufigsten Morpheme kommen Wortformen mit ausgewählten Schreibmustern (z.B. Dehnungs-h) in Segmenti viel häufiger vor als in üblichen Texten. Dadurch kann die innere Musterbildung gefördert werden.

In den meisten Spielmodulen wird mit den gleichen morphem-orientierten Wortlisten gearbeitet. Dadurch werden die gleichen Wortmuster immer wieder unter anderen Aspekten betrachtet. Die wiederholte Übung mit ausgewählten häufigen Wortsegmenten fördert die automatische Worterkennung und somit die Lesefähigkeit.

Muster erhalten im Gedächtnis einen größeren Stellenwert, wenn sie in vielfältiger Varianz angeboten werden. Dabei fördert nach Schirp die Aufmerksamkeitssteigerung durch neuartige, überraschende, rätselhafte Darbietung den Lernerfolg.

Regeln und Muster werden nicht als einzelne Regeln und Muster gelernt, sie werden vielmehr aus wiederkehrenden Beispielen extrahiert und zu Regeln und Mustern verdichtet. Segmenti versucht diesen Ansatz auf folgende Weise zu verwirklichen: Zu den gleichen Wortlisten können vielfältige Übungen gewählt werden. So gibt es verschiedene Spielmodule, Spielarten und Niveaustufen, die zum handelnden Umgang mit Wortstrukturen anregen sollen. Weiterhin fördert Segmenti durch variantenreiche Beispiele, dass Schreibmuster in ihrer Regelhaftigkeit erkannt und eingeprägt werden. So besteht bei dem Computerprogramm die Möglichkeit, zu einem ausgewählten Wortstamm eine Konkordanz aus Sätzen von Grimms Märchen anzeigen zu können und so vielfältige Beispiele für das Schreibmuster im Kontext zu veranschaulichen.

Ein Ergebnis aus der neurobiologischen Lernforschung ist, dass Lernen am besten gelingt, wenn der Lerner selbst tätig wird. Das Erfolgserlebnis eines selbst gelösten Problems fördert die Abspeicherung neuer Lerninhalte im Gedächtnis (Schirp, 2006). In Segmenti kann der Spieler auf vielfältige Weise selbsttätig mit den Segmenten der Schriftsprache hantieren. Erfolge beim Lösen der Aufgaben (Markieren, Trennen, Schreiben, Raten) werden mit Punkten und Platz in der Bestenliste belohnt.

Eine weitere Erkenntnis aus der neurobiologischen Lernforschung ist, dass die innere Musterbildung besser gelingt, wenn Phasen zur Nachbetrachtung angeschlossen werden. Entsprechend können in Segmenti am Ende jeder Spielrunde die bearbeiteten Wörter und die zugehörige Regel noch einmal nachbetrachtet werden. Die Wörter können nach ihrem Rechtschreibmuster angeordnet werden, in Großschrift automatisch gescrollt und vorgelesen werden. Dabei ist der Wortstamm farbig markiert und die Länge des Stammvokals gekennzeichnet, um die innere Musterbildung zu fördern. Eigene Fehler können analysiert werden.
 

Links:
http://www.cross-plus-a.com/segmenti.htm 
http://www.segmenti.de

Literatur:
Heinz Schirp (2006). Neurowissenschaften und Lernen:Was können neurobiologische Forschungsergebnisse zur Weiterentwicklung von Lehr- und Lernprozessen beitragen? In: Caspary, Ralf [Hrsg.]: Lernen und Gehirn: Der Weg zu einer neuen Pädagogik. 99-127.Freiburg: Herder.

http://www.learn-line.nrw.de/angebote/p21/down/lernen.pdf

  

 

 

 


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