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Unter Phobien versteht man ein unangemessene, dauerhafte und starke Angstreaktion gegenüber Objekten und Situationen, von denen keine reale Gefahr ausgeht. In der Regel wird die Situation, in der der phobische Stimulus auftreten kann vermieden.
Allgemein unterscheidet man bei den Phobien bei Kindern und Jugendlichen - wie auch bei den Erwachsenen - zwischen den spezifischen Phobien und den sozialen Phobien.
Bei den spezifischen Phobien kommen recht häufig Tierphobien vor. Hier insbesondere Spinnen- und Hundephobien. Auch die Klaustrophobie zählt zu den spezifischen Phobien zu denen man inhaltlich auch die Agoraphobie zählen müsste. Bei der Klaustrophobie besteht eine Angst vor geschlossenen Räumen.
Die spezifischen Phobien werden nach Petermann und Essau (2008) häufig unterteilt in
Bei der Konfrontation mit dem Auslöser kommt es zu massiven Angstzuständen. Entsprechend lässt sich auch ein starkes Vermeidungsverhalten diagnostizieren (z.B. der Gang in den Keller wird vermieden, da dort eine Spinne vermutet wird).
Die Persönlichkeit der Betroffenen ist meist durch eine geringe Durchsetzungsfähigkeit, eine erhöhte allgemeine Ängstlichkeit und erhöhte Introversionswerte gekennzeichnet.
Bei der Bewertung der präsentierten Symptome muss bei Kindern jedoch beachtet werden, dass bei dieser Altersgruppe Ängste häufig anzutreffen sind, zur Entwicklung dazugehören und von daher nicht vorschnell pathologisiert werden sollte.
Spezifische Phobien bei Kindern werden recht häufig diagnostiziert. In aktuelleren Studien (Kashani et al, 1998, Essau et al. 2000). finden sich Prävalenzdaten von knapp über 3 Prozent.
Insbesondere Reizkonfrontationstechniken haben sich als effektiv erwiesen. Häufig werden die Reizkonfrontation und die systematische Desensibilisierung miteinander kombiniert.
Soziale Phobien werden häufig ab dem Jugendalter diagnostiziert. Inhalte sind u.a. Sprechen in der Öffentlichkeit, Essen in der Öffentlichkeit und Prüfungssituationen. Wie bei den spezifischen Phobien werden auch hier die entsprechenden Situationen vermieden, was eine zunehmende Isolierung zur Folge haben kann.
Bezüglich ihrer Inhalte kann die Soziale Phobie wie folgt eingeteilt werden
Bezüglich ihrer Persönlichkeit sind die Kinder mit einer sozialen Phobie durch ein niedriges Selbstwertgefühl und Versagensängste gekennzeichnet.
Die soziale Phobie tritt bei Kindern selten und wird mit unter 1 Prozent angegeben. Bei Jugenlichen zwischen ein und zwei Prozent.
Bausteine in der Therapie der sozialen Phobie
Im deutschen Sprachraum findet oft das Training von Petermann und Petermann ("Training mit sozialunsicheren Kindern") Anwendung.
Schneider, Florin und Fiegenbaum (1999) verweisen auf typische Angstinhalte von Kindern, die sich mit zunehmendem Lebensalter verändern:
Im Allgemeinen gehören Ängste im normalen Entwicklungsprozess dazu. Als phobisch sollten Ängste erst klassifiziert werden, wenn diese eine starke Beeinträchtigung für das Kind zur Folge haben und die normale Entwicklung des Kindes verhindern.
Phobien bei Kindern und Jugendlichen können einmal bei den Emotionalen Störungen des Kindesalters und bei den Phobischen Störungen zugeordnet werden. Hier die möglichen Diagnosen:
F 93.0 Störung mit Trennungsangst des Kindesalters
F 93.1 Phobische Störung des Kindesalters
F 93.2 Störung mit sozialer Ängstlichkeit des Kindesalters
F 40.00 Agoraphobie ohne Panikstörung
F 40.01 Agoraphobie mit Panikstörung
F 40.1 Soziale Phobie
F 40.2 Spezifische (isolierte) Phobien
Unter F93.1 finden sich entwicklungssphasenspezifische Ängste (siehe Oben), die jedoch aufgrund ihres abnormen Ausmaßes zu sozialen Beeinträchtigungen führen.
In der Therapie werden Expositionen, die Systematische Desensibilisierung, kognitive Methoden und Medikamente eingesetzt.
Expositionen:
Hier wird der Patient dem angstauslösendem Stimuli ausgesetzt und darauf geachtet, dass dieser kein Vermeidungsverhalten zeigen kann (Flooding).
Systematische Desensibilisierung
Der Patient wird stufenweise mit dem phobischen Objekt konfrontiert und führt während dessen ein Entspannungsverfahren durch. Dabei wird schrittweise eine Angsthierarchie abgearbeitet.
Kognitive Techniken
Hier kann beispielsweise ein Selbstinstruktionstraining durchgeführt werden.
Medikamentöse Behandlung:
Hier stehen Benzodiazepine zur Auswahl, die bei schweren Angstzuständen eingesetzt werden können. Aufgrund der Suchtgefahr jedoch nicht länger als 6 Wochen.
Quellen
Essau, C.Al, Conradt, J. & Petermann, F. (2000). Frequency, comorbidity and psychosocial impairment of specific phobia in adolescents. Journal of Clinical Child Psychology, 29, 221-231.
Petermann U. & Essau C.A. Spezifische Phobien in: Petermann, F. (2008). Lehrbuch der Klinischen Kinderpsychologie. Göttingen: Hogrefe Verlag
Kashani, J.H., Orvaschel, H., Rosenberg, T.K. & Reid, J.C. (1989). Psychopathology in a community sample of children and adolescents: a develpmental perspective. Journal of the American Academy of Child and Adolescents: a developmental perspective, 28, 701-706.
Literatur
Schneider, S., Florin, I. & Fiegenbaum, W. Phobien in: Steinhausen & von Aster Hrsg. (1999). Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin bei Kindern und Jugendlichen. Beltz Verlag.
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