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Rezension: KindesmisshandlungIm Springer Verlag ist im Jahr 2008 die erste Auflage des Buches mit dem Titel Kindesmisshandlung erschienen, die nach einem Jahr ausverkauft war. Die sehr positive Resonanz ist sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass es das erste deutschsprachige medizinische Fachbuch überhaupt darstellt, das 40 Jahre nach dem ersten US-amerikanischen Fachbuch erschienen ist. Nun liegt also die zweite, aktualisierte Auflage des Fachbuches von den Autoren Bernd Herrmann, Prof. Reinhard Dettmeyer, Sibylle Banaschak und Prof. Ute Thyen vor. Auf 349 Seiten gliedert sich das Buch in 7 Bereiche: körperliche Misshandlung, sexueller Kindesmissbrauch, Vernachlässigung und emotionale Misshandlung, Kindstötung, Beweissicherung und gerichtliche Verfahren, Intervention und Prophylaxe. In erster Linie richtet sich das Buch an Mediziner, jedoch auch z.B. an Mitarbeiter von Jugendämtern, die nach verlässlichen Informationen zum Thema Kindesmisshandlung suchen. Zur Relevanz des Themas hier einige Zahlen: Für Deutschland können die Autoren des Buches keine validen Prävalenzdaten angeben. Aus dem amerikanischen Pflichtmeldesystem werden jedoch jedes Jahr 1 Million Fälle von Kindesmisshandlung angegeben, wobei 60 Prozent auf Vernachlässigungen fallen, 20 Prozent auf körperliche Misshandlungen und 10% auf sexuelle Misshandlungen. Weiterhin werden in den USA 1500 bis 2000 gesicherte misshandlungsbedingte Todesfälle angegeben, die Folge von Vernachlässigungen und aktiver Misshandlung sind. Davon entfallen 76 Prozent auf Kinder unter vier Jahren. Exemplarisch soll für die sieben Bereiche der Erste näher vorgestellt werden, nämlich die körperliche Misshandlung. Hier wird in dem entsprechenden Diagnostikkapitel sehr genau auf die Anamnese eingegangen. Das Folgekapitel widmet sich dem Schütteltraumasyndrom auf 28 Seiten und beschreibt die somatischen Folgen, die entsprechende Diagnostik und weist auch auf Intervention und Prävention hin. Das nächste Kapitel trägt die Überschrift Hautbefunde. Hier werden z.B. die verschiedensten Hämatome und Verbrennungen (durch Verbrühungen) dargestellt, die durch Fotos ergänzt werden, die auf manchen Betrachter sicherlich verstörend wirken. Es folgen Kapitel zur Thematik der Knochenverletzungen und der HNO-Verletzungen. Ähnlich detailliert, mit zahlreichen Tabellen, Fotos und grafischen Abbildungen werden auch die weiteren Bereiche (siehe oben) bearbeitet. Im gesamten Buch nimmt die Diagnostik einen wichtigen Schwerpunkt ein, denn hier geht es immer um die Frage, ob das vor einem sitzende Kind misshandelt wurde. Diesbezüglich geben Tabellen, Checklisten und ein gelungener Sprachstil des Textes eine sehr gute Unterstützung. Ein ausführliches Buch zum Thema Kindesmisshandlung, das durch und durch praxisorientiert ist. In erster Linie richtet sich das Buch an Mediziner, doch ist es auch für Pädagogen und Psychologen geeignet, die regelmäßig mit den entsprechenden Fragestellungen in Kontakt sind. Hier können Informationen dieses Buches helfen, Verdachtsmomente zu erhärten. Ein aufgrund seiner Relevanz des Themas, der Praxisorientierung und der umfassenden Bearbeitung der Thematik eine äußerst gelungene Veröffentlichung, der im Sinne der zu schützenden Kinder in der Zielgruppe eine weite Verbreitung zu wünschen ist. Preis und Verfügbarkeit bei Amazon Bernd Herrmann, Reinhard Dettmeyer, Sibylle Banaschak & Ute Thyen (2010). Kindesmisshandlung. Berlin: Springer Verlag ISBN-13: 978-3-642-10205-9
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