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?Jugenddelinquenz? von Steinhausen und Bessler

Jugenddelinquenz hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Zahlen des Bundeskriminalamtes aus dem Jahr 2004 zeigen, dass 6,6 Millionen Straftaten registriert wurden. Unter den Tatverdächtigen befanden sich dabei 12,5 Prozent Jugendliche und 10,5 Prozent Heranwachsende. Die Straftaten, die dabei am häufigsten registriert werden, sind Körperverletzungen gefolgt, von Eigentumsdelikten und Sexualdelikten.

Zum Thema Jugenddelinquenz ist nun ein Fachbuch erschienen, das Beiträge verschiedener Autoren beinhaltet und bei dem Prof. Hans-Christoph Steinhausen und Dr. med. Cornelia Bessler, beide vom Zentrum für Kinder und Jugendpsychiatrie der Universität Zürich, als Herausgeber fungieren. Das Buch mit dem Titel ?Jugenddelinquenz. Entwicklungspsychiatrische und forensische Grundlagen und Praxis? beschäftigt sich auf 228 Seiten schwerpunktmäßig mit den drei Themen ?Ursachen und Entwicklung?, ?Begutachtung und Diagnostik? sowie ?Intervention und Prävention?.

Im ersten Kapitel ?Neue Ansätze zur Jugenddelinquenz? betrachten die Autoren Steiner et al. verschiedene Konzepte zur Jugenddelinquenz und stellen u.a. die psychopathologische Sichtweise dar. Weiterhin wird ein neues Ordnungssystem der Aggression vorgeschlagen. Im zweiten Kapitel finden sich eine kompakte Beschreibung der psychologischen Risikofaktoren und eine Darstellung der forensischen Diagnostik.

Mit delinquentem Verhalten ist sehr eng das Konzept der antisozialen Persönlichkeitsstruktur verknüpft, deren Entwicklung von Prof. Klaus Schmeck im nachfolgenden Kapitel detailliert mit zahlreichen Studien ab dem Kleinkindalter nachgezeichnet wird. Im Anschluss erläutern die Medizinerin Kathrin Sevecke und die Psychologin Maya Krischer von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Köln das Psychopathy-Konzept nach Hare, das neben dem antisozialen Verhalten durch histrionische und narzisstische Persönlichkeitszüge gekennzeichnet ist. Sie beschreiben die kurz vor der Veröffentlichung stehende Psychopathy-Checkliste für Jugendliche, die in ihrer Anwendung anhand von zwei Fallbeispielen weiter erläutert wird.

In einem gut lesbaren Beitrag erläutert Dr. med. Patrick Frottier die hohen Anforderungen, die an die forensische Diagnostik im Gegensatz zur Diagnostik der Allgemeinpsychiatrie gestellt werden und beschreibt kompakt den diagnostischen und therapeutischen Prozess, wie er im österreichischen Strafvollzug bei Jugendlichen angewendet wird.

Enwicklungspsychopathologische Verläufe externalisierender Störungen werden im Kapitel acht unter anderem anhand der Zürcher ZAPPS-Studie vorgestellt. In einem weiteren Kapitel geben Andreas Beelmann und Friedrich Lösel einen guten Überblick über präventive Trainingsprogramme für dissoziales Verhalten. Kapitel zwölf beschreibt den Maßregelvollzug für Jugendliche in Deutschland und geht dabei auf Therapiekonzepte, Therapiephasen und Lockerungen ein. Erwähnt werden sollten noch das recht ausführliche Kapitel über jugendliche Sexualstraftäter und die Ausführungen von Schnoor und Fegert über Schuldfähigkeitsgutachten

Bei dem Buch ?Jugenddelinquenz? handelt es sich um ein durchweg praxisrelevantes Werk für Mediziner, Psychologen und Sozialarbeiter, die sich mit diesem Thematik beschäftigen bzw. in diesem Bereich arbeiten. Es informiert über die relevanten Themen der Jugenddelinquenz und gibt gut lesbar den aktuellen Wissensstand wieder. Weiterhin eignet es sich auch als interessante und fundierte Lektüre für alle, die sich für das Thema Jugenddelinquenz interessieren. Dieses inhaltsreiche Buch wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein viel gelesenes Standardwerk zu dieser Thematik werden und kann uneingeschränkt empfohlen werden.

Preis und Verfügbarkeit bei Amazon

Hans-Christoph Steinhausen & Cornelia Bessler (2008). Jugenddelinquenz Stuttgart: Kohlhammer Verlag.
ISBN-13: 978-3170194113

(23.06.2008 RM)

 

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