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Studie untersucht neuroanatomische Auffälligkeiten bei Kindern mit Legasthenie

Norwegische Wissenschaftler der Universität Bergen führten Untersuchungen mittels bildgebender Verfahren an der Gehirnstruktur von Kindern und Jugendlichen mit Legasthenie durch und überprüften, ob sich hier Besonderheiten zeigten. Die Suche nach neuroanatomischen Auffälligkeiten geht u.a. auf Studien von Galaburda zurück, der 1985 bei verstorbenen Legasthenikern Unregelmäßigkeiten in der Zellstruktur des Gehirns fand.

Die Wissenschaftler untersuchten 13 Jugendliche (8 Jungen und 5 Mädchen) mit LRS und einem Durchschnittsalter von 13,6 Jahren und 18 Kinder ohne LRS (8 Jungen und 10 Mädchen, Durchschnittsalter von 13,8 Jahren), die die Kontrollgruppe bildeten mittels eines Magnetresonanztomographen. Die Legasthenie wurde mittels verschiedener Lesetests und nach einer Untersuchung durch den Schulpsychologen diagnostiziert.

 

Mithilfe der erhaltenen MR-Bilder wurde das Volumen der grauen und weißen Substanz sowie die fraktale Dimension der Grenze der grauen und weißen Substanz für das gesamte Gehirn und für jede Hemisphäre bestimmt. Die norwegische Forschungsgruppe fand heraus, dass sich Mädchen mit LRS und Mädchen ohne LRS signifikant bezüglich des Volumens der weißen Substanz unterschieden, in dem Sinne, dass Mädchen mit LRS ein geringeres Volumen aufwiesen. Bei den Jungen zeigte sich dieser Unterschied jedoch nicht. Auch beim Verhältnis der grauen Substanz zur weißen Substanz (GM/WM ratio), zeigten Mädchen mit Legasthenie im Vergleich zu den Mädchen der Kontrollgruppe ein signifikant höheres GM/WM ratio in der linken Hemisphäre.

Aus den zahlreichen einzelnen Ergebnissen folgern die Wissenschaftler, dass Mädchen von ihrer Hirnmorphologie eine erhöhte Vulnerabilität für Dyslexie aufweisen, obwohl diese bei Jungen häufiger diagnostiziert wird. Weiterhin weisen die Autoren darauf hin, dass die Diagnostik struktureller Veränderungen bei LRS auf Basis der Diagnostik des gesamten Gehirns und der Hemisphären erfolgen sollte, da es schwierig sei, einzelne morphologische Veränderungen in spezifischen Regionen mittels bildgebender Verfahren nachzuweisen.

Anzumerken ist, dass bei Durchsicht der veröffentlichten Daten bezüglich der Klassifizierung der Legastheniediagnose in der Studie scheinbar nicht auf das Diskrepanzkriterium zurückgegriffen wurde (der gemessene IQ bei der LRS-Gruppe lag bei durchschnittlich 88) und dass bezogen auf die geschlechtsbezogenen Daten - obwohl signifikant - die Anzahl der untersuchten Kinder eher als gering zu bewerten ist.

 

Quelle:
Sandu, A.-L., Specht, K, Beneventi, H. Lundervold, A., Hugdahl, K. (2008). Sex-differences in grey-white matter structure in normal-reading and dyslexic adolescents. Neuroscience Letters. 438, 80-84.

Link:
http://www.elsevier.com/locate/neulet 

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