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Rezension: "Legasthenie" von Klicpera et al.

Seit 2007 ist die zweite, aktualisierte Auflage des Buches ?Legasthenie? der ?Wiener Gruppe? der LRS-Forscher Christian Klicpera, Alfred Schabmann und Barbara Gasteiger-Klicpera erhältlich, die im Ernst Reinhardt Verlag erschienen ist. Die Autoren sind im deutschsprachigen Sprachraum seit der ?Wiener Längsschnittstudie? zur LRS als ausgewiesene Fachleute zum Thema Legasthenie bekannt, was natürlich das Interesse an den Inhalt dieses Buches erhöht.

Das 316 Seiten starke Buch ist inhaltlich in drei Teile aufgeteilt: die Darstellung des geübten Lesers und geübten Schreibers, das Lesen und Schreiben bei schwachen Schülern und die Ursachen, Diagnostik und Interventionen bei schwachen Lesern und Rechtschreibern.

Im ersten und zweiten Kapitel finden sich eine recht ausführliche Darstellung der ungestörten Entwicklung des Lesens und Rechtschreibens sowie ein 20 Seiten langes Kapitel zum oft vernachlässigten Thema des Leseverständnisses und des schriftlichen Ausdrucksvermögens (Stichwort Aufsätze) und eine Darstellung der üblichen Ansätze im Lese- und Schreibunterricht.

Im zweiten Abschnitt des Buches wird die Entwicklung des Lesens und Schreibens bei schwachen Schülern auf knapp 28 Seiten beschrieben.

Der dritte Abschnitt des Buches beschäftigt sich nun mit dem therapeutisch relevanten Teil für Kinder mit Lese-Rechtschreibstörungen. Sehr detailliert werden die verschiedenen ätiologischen Faktoren für Lese-Rechtschreibschwierigkeiten dargestellt. Neben genetischen und neuropsychologischen Erklärungsmodellen findet sich auch eine Darstellung sozialer Einflussfaktoren. Auch der diagnostische Teil ist recht ausführlich. Im Anschluss werden präventive Maßnahmen und frühzeitige Interventionen begleitend zum Erstleseunterricht beschrieben. In einem weiteren Kapitel wird ein gelungener Studienüberblick über die Steigerung der Lesegeschwindigkeit gegeben. Das folgende Unterkapitel stellt weit verbreitete Förderprogramme dar, unter anderem wird genauer auf das Trainingsprogramm von Scheerer-Neumann und das Trainingsprogramm von Kossow eingegangen, die in der Fachliteratur nicht immer beschrieben werden.

Auch wenn der Titel ?Legasthenie? auf den klinisch relevanten Teil derjenigen Kinder und Jugendlichen mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten hinweist, ist das Buch der Autorengruppe im Wesentlichen kein klinisches Anwendungsbuch über die Diagnostik, Symptomatik und Therapie von Kindern mit Lese- und Rechtschreibstörungen. Hier gibt es Bücher, die sich stärker auf diesen Störungsschwerpunkt konzentrieren. Der Gewinn dieses Buches liegt vielmehr in der Thematisierung der allgemeinen Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten, die die Legasthenie mit einschließt, jedoch deutlich darüber hinausgeht.

Insgesamt stellt das Buch von Klicpera et al. ein aktuelles Werk über Kinder mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten mit gut lesbaren Beiträgen zu den wichtigsten Fragestellungen und Darstellungen zahlreicher Studien dar. Es eignet sich für in erster Linie für Lehramtsanwärter, Wissenschaftler, die einen aktuellen Überblick über die Fragestellung benötigen und LRS-Therapeuten, die sich ein gut lesbares Buch zu oben dargestellten Themenkomplexen wünschen.

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Quelle:
Barbara Gasteiger-Klicpera, Christian Klicpera & Alfred Schabmann (2007). Legasthenie. München: Reinhardt Verlag.
ISBN-13: 978-385224721

 

(09.06.2008 RM)

 

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