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Rezension: Kinder mit Rechenschwäche erfolgreich fördern

Von Armin Born und Claudia Oehler, zwei Psychologen, die seit vielen Jahren Lerntherapien durchführen ist das Buch ?Kinder mit Rechenschwäche erfolgreich fördern. Ein Praxishandbuch für Eltern, Lehrer und Therapeuten? in der zweiten überarbeiteten und erweiterten Auflage erschienen.

Das Autorenpaar Born und Oehler versuchen wie schon bei ihrem ?ADS-Klassiker? Lernen mit ADS-Kindern ein Handbuch zu schreiben, dass sich an drei unterschiedliche Zielgruppen gleichzeitig richtet, nämlich an Eltern, Lehrer und Therapeuten.

Insgesamt ist das Buch in fünf Teile gegliedert. Im ersten Teil findet sich theoretisches Grundlagenwissen zum Thema Rechenstörung und Lernen. Im zweiten Teil setzen sich die Autoren kritisch mit der aktuellen Förderpraxis auseinander. Der dritte Teil handelt von allgemeinen Lerntipps für Eltern und in Teil vier werden auf 50 Seiten konkrete Therapieinterventionen bei Rechenstörungen (bzw. Dyskalkulie) beschrieben. Im letzten Teil behandeln Born und Oehler das Thema Prüfungsangst und geben Hinweise zu deren Bewältigung.

Im ersten Teil versuchen die Autoren aktuelle Ergebnisse aus der Hirnforschung zum Thema Lernen verständlich darzustellen und stets den Zusammenhang zum Lernen von mathematischen Inhalten herzustellen. In diesem Rahmen wird auch das Triple-Code-Modell von Dehaene sehr anschaulich eingeführt.

Der zweite Teil des Buches mit der Überschrift ?Praktizierte Fördermaßnahmen bei Rechenschwäche und Rechenstörung - Mythen oder gesicherte Erkenntnis? setzten sich Born und Oehler mit den gängigen Förderansätzen bei Rechenstörungen auseinander und kehren einmal ordentlich durch das Angebot der Fördermaterialien durch.

Insbesondere kritisieren sie die weit verbreitete Meinung, dass sich die Therapie an den sogenannten ?Ursachen? orientieren müsse (häufig verwendete Stichwörter: Raum-Lage-Orientierung, Händigkeit, auditives Kurzzeitgedächtnis usw.) und die noch nicht entwickelten Basisfunktionen trainiert werden sollten. Auch Veranschaulichungsmaterial als Zentrum der therapeutischen Bemühungen werden von Born und Oehler abgelehnt. Weitere therapeutische Glaubenssätze werden beschrieben und diskutiert. Insgesamt ein wichtiges und interessantes Kapitel, das den Rezensenten an das klassische Kapitel von Suchodoletz ?Therapie der Lese-Rechtschreibstörung? erinnert, indem sehr kritisch alternative Behandlungsmethoden diskutiert werden. Sehr gut!

Im dritten Teil des Buches hält die Praxis Einzug. Hier wird die Anwendung einer Lernbox zur Automatisierung des Einmaleins beschrieben, Hinweise zum richtigen Loben gegeben und weitere wichtige Prinzipien der Lerntherapie beschrieben, die auch beim Üben zu Hause verwirklicht werden sollten.

Im darauffolgenden Teil beschreiben Born und Oehler die therapeutischen Interventionen, die sie in ihrer praktischen Arbeit mit ihren Klienten anwenden. Folgende Therapieziele werden genannt: Verbesserung des Zahl- und Mengenverständnisses, Aneignung des arithmetisches Faktenwissen (Automatisierung) und Anwendung arithmetischer Prozeduren. Diese Therapieziele decken sich mit denen des Rezensenten. Von daher keinerlei Einwände auf die Konzentration dieser Therapieinhalte. In der Folge werden konkrete Übungen für die Therapie unter Anwendung des Zehnersteckbrettes und des Zahlenstrahles sehr konkret beschrieben. Auch das Vorgehen beim Zehnerübergang wird detailliert mit zahlreichen Abbildungen dargestellt. Weitere Inhalte im diesen Teil des Buches: Bearbeitung von Sachaufgaben, Umrechnen von Maßeinheiten und ein Vorgehen für das Bruchrechnen.

Armin Born und Claudia Oehler haben ein engagiertes Buch zum Thema Rechenstörungen veröffentlicht, dass sich zu gleichen Teilen der therapeutischen Praxis und der theoretischen Auseinandersetzung widmet. Die Beschreibung des konkreten Vorgehens in der Dyskalkulietherapie im vierten Teil wird für viele Therapeuten sehr hilfreich sein. Ein besonderes Lob gilt den Autoren jedoch für die längst überfällige ausführliche Auseinandersetzung mit den weit verbreiteten wirkungslosen Förderansätzen im zweiten Teil. Dem Buch merkt man die jahrelange praktische Erfahrung der Autoren in der Behandlung von Kindern mit Teilleistungs- und Aufmerksamkeitsstörungen an und zahlreiche eher beiläufig gegebene Informationen können - wenn sie vom Therapeuten umgesetzt werden - zu einer qualitativen Verbesserung des eigenen therapeutischen Handelns führen.  Insgesamt stellt das Buch ?Kinder mit Rechenschwäche erfolgreich fördern? eine klare Empfehlung für Psychologen und Pädagogen dar, die sich mit der Therapien von Rechenstörungen durchführen.

Preis & Verfügbarkeit bei Amazon

Armin Born & Claudia Oehler (2008). Kinder mit Rechenschwäche erfolgreich fördern. Ein Praxishandbuch für Eltern, Lehrer und Therapeuten. Stuttgart: Kohlhammer Verlag
ISBN-13: 978-3-17201071

(18.02.2008 RM)

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