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Anwendung einer modellgeleiteten Diagnostik und Therapie der LegasthenieSylvia Costard ist Neurolinguistin und arbeitete viele Jahre am Universitätsklinikum Aachen mit Patienten, die neben einer Aphasie auch an einer erworbenen Lese- und Schreibstörung litten. Ein Schwerpunkt ihrer damaligen beruflichen Tätigkeit war die modellorientierte Differenzialdiagnostik bei diesem Patientenkreis. Nun überträgt Frau Costard ihr diagnostisches und therapeutisches Wissen auf die Behandlung von Kindern mit Lese- und Rechtschreibstörung und veröffentlicht dies in ihrem Buch "Störungen der Schriftsprache", das im Thieme Verlag erschienen ist. Sie legt damit ein - zum ersten Mal in Deutsch publiziertes - Gesamtwerk vor, in dem sie für ein modellgeleitetes Vorgehen für die Diagnostik und Therapie plädiert. Sehr ausführlich geht die Autorin auf die theoretischen Grundlagen ein. Im ersten Kapitel werden die linguistischen Grundlagen (Laut, Silbe) erläutert, aber auch auf die Prinzipien der Rechtschreibung eingegangen. Im dritten Kapitel finden sich die kognitiven Modelle des Lesens und Schreibens. Hier wird insbesondere das Zwei-Wege- Modell des Lesens/Schreibens sehr genau beschrieben, das zwei voneinander unabhängige Verarbeitungswege postuliert, nämlich die lexikalisch-ganzheitliche und die sublexikalisch-einzelheitliche Route. Das Kapitel 4 widmet sich auf 22 Seiten dem unauffälligen Schriftspracheerwerb inklusive dem Schriftsprachunterricht dem das Kapitel 5 mit der Beschreibung der Lese-Rechtschreibstörung folgt. Die Autorin verwendet jedoch nicht den Begriff der Lese-Rechtschreibstörung bzw. der Legasthenie, sondern präferiert die Bezeichnung ?Entwicklungsdyslexie? und ?Entwicklungsdysgraphie?. Beschrieben werden dort Definition, Prävalenz und Symptomatik. Häufig angewendete Lese- und Rechtschreibtests für die Diagnostik werden sehr übersichtlich dargestellt. Sehr gut! In Kapitel 10 folgt nun eine detaillierte Beschreibung der modellorientierten Diagnostik und Kapitel 11 widmet sich den anzuwendenden therapeutischen Interventionen. Im Anhang finden sich ein brauchbarer Anamneseleitfaden und genaue Anleitungen für die Durchführung der notwendigen Tests. Das Buch von Costard hat nicht die Zielsetzung, die gegenwärtig am häufigsten angewandten Interventionsmethoden darzustellen, obwohl diese auch beschrieben werden. Auch für Therapieanfänger stellt dieses Buch ein recht anspruchsvolles Studium dar. Es eignet sich jedoch für den etwas erfahreneren Therapeuten, der sich für ein theoriegeleitetes therapeutisches Gesamtkonzept interessiert und sein diagnostisches und therapeutisches Arbeiten erweitern will. Preis und Verfügbarkeit bei Amazon Sylvia Costard (2007).
Störungen der Schriftsprache. Stuttgart: Thieme Verlag (13.02.2008 RM)
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