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Rezension: Helga Simchen ? Die vielen Gesichter des ADSHelga Simchen ist Medizinerin, arbeitete jahrelang stationär als Oberärztin und schließlich auch wissenschaftlich in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Magdeburg. Gegenwärtig arbeitet Frau Simchen in einer Spezialpraxis für ADHS. Helga Simchen hat nun die erste Auflage ihres Buches ?Die vielen Gesichter des ADS? überarbeitet und auf insgesamt 228 Seiten erweitert.
Sehr detailliert stellt Simchen zu Beginn die Symptomatik dar. Die Medizinerin beginnt mit der Symptomatik des Säuglings, referiert über die des Kleinkindes, Vorschulkindes, Grundschulkindes bis hin zum Jugendlichen und Erwachsenen. Dabei differenziert die Autorin sehr genau zwischen dem hyper- und hypoaktiven Typus, weist jedoch auf die zahlreich vorhandenen Mischtypen wiederholt hin. Es folgen zahlreiche detaillierte Falldarstellungen, die auch erwachsene Patienten mit der Diagnose ADHS einschließen. Simchen weist ebenfalls auf die positiven Seiten des ADHS hin, die beispielsweise insbesondere in der beruflichen Tätigkeit eingebracht werden können. Sehr detailliert geht Simchen auf die verschiedenen Wahrnehmungsstörungen ein, die man bei Kindern mit ADHS häufig antrifft. Weiterhin erläutert die Autorin die auch oft anzutreffende Blicksteuerungsschwäche, die zu Lesestörungen führen könne. Im dritten, 50 Seiten starken Kapitel stellt Simchen die wichtigsten Begleit- und Folgestörungen dar. Sie geht dabei auf das Asperger-Syndrom - wobei sie dabei die Hypothese aufstellt, dieses psychiatrische Syndrom sei als Extremvariante des ADS ohne Hyperaktivität zu interpretieren - auf Teilleistungsstörungen und den sozialen Reiferückstand ein.Weiterhin behandelt sie die häufigsten psychosomatischen Beschwerden sowie das Thema aggressives Verhalten und schildert dabei auch die Möglichkeiten, wie Eltern adäquat darauf reagieren können. Sehr interessant sind auch die beiden Kapitel über Frühdiagnostik und Frühbehandlung und ihre Ausführungen über die Borderline-Persönlichkeitsstörung und die Suchtproblematik Zahlreiche auch farbige Abbildungen lockern das Buch auf. Symptomaufzählungen werden häufig als Listen wiedergegeben, was sehr praktisch ist. Insgesamt ist das Layout sehr gelungen. Vom Schreibstil ist dieses Buch auch für betroffene Eltern lesbar, die sicherlich eine Zielgruppe für Simchen darstellen. Profitieren werden aber insbesondere Psychologen und Pädagogen, die sich detailliert mit der Kern- und Begleitsymptomatik auseinandersetzen wollen und dabei sicherlich wichtige Informationen zur Verbesserung ihrer Diagnostik erhalten. Diesbezüglich bietet das Buch von Helga Simchen einen sehr großen Fundus an Informationen und wird auch in der vorliegenden zweiten Auflage zahlreiche Leser finden. Preis und Verfügbarkeit bei Amazon
Helga Simchen (2007). Die vielen Gesichter des ADS. Stuttgart: Kohlhammer Verlag.
(27.11.2007 RM)
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