Home  News  Links  Texte  Literatur  Newsletter  Download  Kongress  Fortbildung  Journal  Shop  Praxis  Kontakt

Bibliothek - Texte
Überblick

Foto Kind

Münchner Rechentraining Programm zur Verbesserung des Kopfrechnens
..mehr  

 

Lehrgang Textaufgaben
Trainingsprogramm bei Dyskalkulie und Rechenschwäche
..mehr  

  

Shop
Materialien für die Therapie bei Dyskalkulie & LRS
..mehr  

 

Fortbildung
Zahlreiche Fortbildungen zu ADHS, LRS & Dyskalkulie
..mehr  

 

Dyskalkulie

1. Definition der Dyskalkulie

Im ICD-10 wird Dyskalkulie als Rechenstörung beschrieben und mit der Ziffer F81.2 kodiert. Dyskalkulie ist nicht durch eine generelle Intelligenzminderung oder eine unangemessene Beschulung erklärbar. Unter Akalkulie versteht man eine durch Traumata erworbene Rechenschwäche. Allgemein wird eine Prävalenz von 6 Prozent angenommen. Lorenz und Radatz (1993) gehen von ca. 15 Prozent der Schüler aus, die förderungsbedürftig sind.

Die Schwierigkeiten im Rechnen bestehen bei den allermeisten Kindern von Anfang an. In der Regel sind Schwierigkeiten beim Kopfrechnen zu diagnostizieren, die auf fehlerhafte Zerlegungsstrategien im Zahlenraum 10 sowie falschen Rechenstrategien zurückzuführen sind. Kennzeichnend für Kinder mit mangelnden Kopfrechenfähigkeiten ist, dass diese beim Rechnen von Plus- und Minusaufgaben die Finger benutzen. Weiterhin zeigen sich häufig Probleme von weiteren Teilfunktionen:
beim Lösen von Textaufgaben, Verständnis bezüglich des Stellenwertsystems, beim Mengenbegriff, beim Umrechnen von Maßen, Aufgaben des Einmaleins und der Division.
 

Prävalenz

Unter der Anwendung des doppelten Diskrepanzkriteriums (Rechenleistung 1 1/2 Standardabweichungen unter der Klassennorm und Intelligenzleistung 1 1/2 Standardabweichungen besser als die Rechenleistung) findet Esser et al. (2007) eine Häufigkeit von Dyskalkulie von 1,8 Prozent. Die meisten Studien geben jedoch Prävalenzraten von 4 bis 6 Prozent an.

 

2. Subtypen der Dyskalkulie

Von Aster unterscheidet drei Subtypen bei Dyskalkulie:

  • "tiefgreifender Subtyp", beschreibt Kinder, die in allen Skalen des ZAREKI mindestens 1,5 Standardabweichungen unterhalb des Mittelwertes liegen;
  • "sprachlicher Subtyp", Betroffene weisen ausschließlich Fehler bei einfachen Kopfrechenaufgabe (Addition und Subtraktion), beim Abzählen von Mengen und beim Rückwärtszählen auf;
  • "arabischer Subtyp", Kinder haben Schwierigkeiten Zahlwörter richtig als Zahlen zu transkodieren.

 

Auch Geary (1993) postuliert drei Suptypen:

  • Typ 1: Semantic Memory-Type: hat Schwierigkeiten mathematische Fakten (z.B. 1x1) aus dem Gedächtnis abzurufen. Er begeht dabei unverhältnismäßig viele Fehler. Ätiologisch werden linkshemisphärische Funktionsdefizite der posterioren Regionen angenommen.
  • Typ 2: Procedural-Type: es werden nicht altersgemäße Rechenstrategien verwendet. Auch hier werden linkshemisphärische Funktionsdefizite angenommen.
  • Typ3: Visuospatial-Type: Fehler, die sich aus Verschiebungen beim Untereinanderschreiben von Zahlen ergeben und aus der Falschbewertung einer Ziffer innerhalb einer Zahl ergeben. Bei diesem Subtyp werden rechtshemisphärische Beeinträchtigungen angenommen.

Blanz, Remschmidt, Schmidt und Warnke (2006) unterscheiden allgemein zwischen zwei Subtypen:

  • Subtyp A: Rechenstörung und ausreichend gute Leistungen im Lesen und Rechtschreiben
  • Subtyp RS: neben der Dyskalkulie findet sich auch eine Legasthenie. Im ICD-10 wird dieser kombinierte Typus mit F81.3 kodiert.

Blanz et al. (2006) weisen darauf hin, dass man beim Subtyp RS in klinischen Gruppen bei ca. 40 Prozent der Kinder auch eine Aufmerksamkeitsstörung gefunden hat.

  

3. Ätiologie der Dyskalkulie

Auf der Suche nach ätiologischen Faktoren für die Dyskalkulie konzentrierten sich insbesondere Sonderpädagogen auf Korrelate, die eine vermutliche Relevanz für spätere schulische Leistungen aufweisen.

Johnson und Myklebust (1971) sehen dementsprechend

  • Störungen des Körperschemas,
  • visuo-motorische Integrationsstörungen
  • räumlich-visuelle Erfassungs- und Vorstellungsschwächen,

die wiederum durch

  • die motorischen und taktil-kinästhetischen Erfahrungen

determiniert sind, als ätiologische Bedingungen für die Dyskalkulie an.

Therapie: Entsprechend wird ein therapeutischer Erfolg (Verbesserung der Rechenleistung) durch eine heilpädagogische Übungsbehandlungen erwartet, die psychomotorische Übungsbehandlungen und  Programme zur Förderung der taktilen Wahrnehmung beinhalten.

 

 Die Fehleranalyse brachte folgende Schwierigkeiten bei Kindern mit Dyskalkulie zu Tage (nach Lorenz 2003):

  • mangelndes Sprach- und Textverständnis
  • Schwierigkeiten bei der Analyse von Veranschaulichungsmitteln und Diagrammen
  • Nichtberücksichtigung relevanter Bedingungen oder die Hinzunahme falscher Informationen auf Grund subjektiver Vorstellungen.

 Therapie: Didaktische Maßnahmen, die sich an der individuellen Fehlerstrategie des Kindes orientieren.

 

Die Neurologie entdeckte folgende Störungen kognitiver Funktionen (nach Lorenz 2003), die für eine Dyskalkulie als relevant angesehen werden. 

  • Störungen im taktil-kinästhetischen Bereich,
  • Störungen der auditiven Wahrnehmung, Speicherung und Serialität,
  • Störungen der visuellen Wahrnehmung, Speicherung und Serialität
  • Störungen der Intermodalität.
     

Gestörte kognitve Faktoren  

daraus resultierende Schwächen, die als Vorläufer für mathematische Leistungen angesehen werden.

Frühkindliche Störungen im taktil-kinästhetischen Bereich 

  • Störung des Körperschemas
  • Schwierigkeiten der Rechts-Links-Unterscheidung
  • Raumorientierungsstörungen

Auditive Störungen  

  • Schwierigkeiten bei der Speicherung von Zahlen, Aufgaben und Zwischenergebnissen.

Störungen im visuellen Bereich

  • Schwierigkeiten bei der Vorstellung räumlicher Beziehungen.

Therapie: Förderprogramme, die die zugrundeliegenden Störungen verringern. Damit einhergehend wird eine entsprechende Verbesserung der mathematischen Leistungen erwartet.

  

4. Diagnostik der Dyskalkulie

Während der Grundschulzeit fallen in erster Linie Probleme beim Kopfrechnen und große Probleme beim Lösen von Textaufgaben auf. Während der Vorschule zeigen sich nach Esser (2008) Raumorientierungsschwächen, Probleme beim Erkennen von Richtungen und Schwierigkeiten bei der Erfassung von Mengen und Größen.

In der Regel wird - neben der Durchführung einer ausführlichen Anamnese - ein Rechentest durchgeführt, um die Rechenleistungen zu quantifizieren. Weiterhin wird ein Intelligenztest durchgeführt. Die Differenz der T-Werte zwischen Intelligenztest und Rechentest wird maßgeblich zur Validierung der Dyskalkuliediagnose herangezogen. Petermann & Jacob (2007) weisen darauf hin, das bei der Verdachtsdiagnose Dyskalkulie nicht der CFT als Intelligenztest angwendet werden sollte.

 

5. Therapie der Dyskalkulie

Im Bereich Dyskalkulie (Rechenstörung) ist die Anzahl von Therapiemanualen im Vergleich zum Bereich der Legasthenie noch sehr gering. Vereinzelt wurden Trainingsprogramme entwickelt, die  jeweils spezifische Fertigkeiten trainieren (z.B. Einmaleins und Textaufgaben).

Allen Materialien gemein ist, dass diese symptomorientiert arbeiten, d.h. zum Beispiel die Fähigkeit Textaufgaben zu lösen wird an Textaufgaben trainiert, für das Lösen von Plusaufgaben müssen Additionsaufgaben gelöst werden. Der Unterschied der Funktionstherapie der Dyskalkulietherapie zum Förderunterricht liegt ....

  • in einer adäquaten Abfolge der Übungen hinsichtlich ihres Schweregrades und in Abhängigkeit der Symptomatik des Klienten,
  • einem sinnvoll gestuften Vorgehen,
  • einem deutlich verlangsamten Lerntempo, und
  • einem mehrfachen Wiederholung der Inhalte
  • und im Einüben der wesentlichen Teilfertigkeiten zum Lösen von Aufgaben (z.B. Automatisierung des Zahlenraums bis 10 bei der Addition oder das Zerlegen von Zahlen als Vorübung für den Zehnerübertritt).

Gute Fortschritte lassen sich in der Regel mit folgenden Therapieprogrammen erzielen (eigene Erfahrung): Münchner Rechentraining, Lehrgang Textaufgaben und Training Einmaleins . Ein empfehlenswertes und sehr gut aufbereitetes Therapieprogramm ist der Hamburger Zahlbegriffs- und Rechenaufbau von Claus und Peter (2005), der den Zahlenraum bis 10 behandelt.

 

 

Literaturtipps

Im Vergleich zu Legasthenie und ADHS finden sich deutlich weniger Fachbücher, wobei  deren Anzahl in den letzten Jahren etwas zugenommen hat. Insbesondere seit Mitte 2007 nimmt die Anzahl der Veröffentlichungen zu.  Ein empfehlenswertes Buch haben Lorenz und von Aster herausgegeben, das zahlreiche Hinweise für die therapeutische Praxis enthält. Das Buch Rechenstörungen von Jacobs und Petermann vermittelt insbesondere den aktuellen Stand der Forschung recht gut.

Eine weitere, gut lesbare Veröffentlichung zum Thema Dyskalkulie ist das Buch von Armin Born und Claudia Oehler mit dem Titel "Kinder mit Rechenschwäche erfolgreich fördern". Hier finden sich zahlreiche Hinweise für die therapeutische Praxis.

Inhaltlich verwandte Texte

Rechentests - Kurze Beschreibungen verschiedener Rechentests

Genannte Quellen

Blanz, B., Remschmidt, H., Schmidt, M. & Warnke, A. (2006). Psychische Störungen im Kindes- und Jugenalter. Stuttgart: Schattauer.

Claus, H. & Peter, J. (2005). Finger, Bilder, Rechnen. Förderung des Zahlenverständnisses im Zahlenraum bis 10. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Esser, G., Wyschkon, A., Schmidt, M.H. (2007). Basisdiagnostik umschriebener Entwicklungsstörungen im Grundschulalter (BUEGA). Göttingen: Hogrefe.

Esser, G. (2008). Lehrbuch der Klinischen Psychologie und Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen. Stuttgart: Thieme.

Jacobs, C. & Petermann, F. /2007). Rechenstörungen: Leitfaden der Kinder- und Jugendpsychotherapie. Göttingen: Hogrefe-Verlag

 

 

 

 


 Copyright (c) 2008 by www.legasthenietherapie-info.de

 

 

  und hier ist der zu löschende Etracker-Code