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Dybuster - eine multimediale Therapiesoftware für Legastheniker

Dipl. Inf. Ing. Christian Vögeli
Beitrag vom 18.06.2008

Fünf bis zehn Prozent aller Kinder sind von Lese- Rechtschreibschwäche (LRS, Legasthenie) betroffen. Dadurch haben sie gravierende schulische Nachteile. Wenn diese Kinder nicht genügend gefördert werden, resultieren daraus häufig auch berufliche Nachteile. Deshalb sind betroffene Kinder und ihre Eltern auf Unterstützung angewiesen, von der sich die Eltern und Kinder möglichst bald eine Verbesserung ihrer Situation erhoffen. Leider ist diese Verbesserung aber trotz großen zeitlichen und finanziellen Aufwands nicht immer so schnell und nachhaltig zu erreichen, wie sich dies alle Beteiligten wünschten.

Mit der an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich entwickelten Rechtschreib-Therapiesoftware ?Dybuster? können betroffene Kinder ergänzend zur ambulanten Therapie effizient und intensiv gefördert werden:

  • Eine unabhängige wissenschaftliche Benutzerstudie der Universität Zürich zeigte, dass das Training mit Dybuster äußerst wirksam ist. Die Probanden begingen nach nur drei Monaten Dybuster-Training im Durchschnitt signifikante 32% weniger Rechtschreibfehler.
  • Dybuster ist multimedial und spricht das Gehirn damit über verschiedene Sinne und Kanäle an. Die multimediale Darstellung basiert auf neurologischen und mathematischen Modellen und bezieht sich explizit auf die Rechtschreibung. Somit dient sie nicht wie sonst üblich nur zur Motivation der Lernenden, sondern ermöglicht die Aufnahme, das Speichern und die Wiedergabe der Rechtschreibung über Assoziationen.

 

1. Therapeutisches Prinzip

Der Ansatz der multimedialen Software Dybuster beruht auf der Idee, dass das Gehirn Information über verschiedene Kanäle aufnimmt, welche auch Moden oder Cues genannt werden. Beim Lernen der Orthographie werden die verschiedenen Kanäle meist zu wenig oder überhaupt nicht genutzt. Dabei gilt das multimodale Lernen, also das Lernen über mehrere Kanäle bzw. Moden, als besonders effiziente Methode (Murray, 2005).

Dybuster versucht verschiedene Kanäle anzusprechen, indem geschriebene Sprache in visuelle und auditive Reize recodiert wird. Konkret werden ein Farb-, Form-, Topologie- und Musik-Code verwendet. Bei der Berechnung diese Recodierung bedient sich Dybuster der Gesetze der Informationstheorie, einer der grossen Theorien aus der Informatik des 20. Jahrhundert (Shannon, 1949). Aus dieser Theorie stammt das Mass der Entropie, mit welchem sich der Informationsgehalt eines Wortes genau bestimmen lässt. Diese universelle Grösse erlaubt auch eine statistische Messung der Information, die in der Recodierung enthalten ist. Die Recodierung in Dybuster ist entropieneutral, d.h. es wird keine zusätzliche Information erzeugt, sondern die Wortinformation lediglich umgewandelt, so dass sie über andere Informationskanäle vom Übenden gelernt werden kann.

 

2. Einsatz in der therapeutischen Praxis

Ein Vorteil an Dybuster ist, dass die Lernenden die Software selbständig einsetzen können. Daher eignet sich Dybuster für das individuelle Lernen zu Hause, welches Kinder als ein motivierendes Spielen erfahren. Mit Hilfe der Eingabe eigener Wörter und Lektionen kann Dybuster falls nötig an die Inhalte der Therapiestunden angepasst werden. Der Fortschritt sowie das Lern- und Fehlerverhalten eines Schülers können über ein spezielles Zusatzprogramm für Fachkräfte ausgewertet und für die Diagnose sowie für die Schüler und deren Eltern dokumentiert werden. Nach einer kurzen Einführung des Schülers bietet Dybuster deshalb folgende Möglichkeiten:

  • Mit Dybuster kann den Eltern eine Hilfe mit nach Hause gegeben werden, mit der diese ihre Kinder gezielt unterstützen können. Dabei reduziert sich die Belastung der Eltern-Kind-Beziehung, da die Kinder nicht mit den Eltern sondern dem Computer üben.
  • Gleichzeitig verlängert sich die gezielt genutzte Arbeitszeit der Schüler gegenüber einer wöchentlichen Therapiestunde, was die Erfolge der Schüler zusätzlich vergrößert.
  • Die wissenschaftlichen Grundlagen von Dybuster garantieren die Qualität des Trainings, die  gegenüber den Eltern einfach dokumentiert werden kann.
     

3. Empirische Überprüfung der Effektivität

An der ersten Studie im Jahre 2006 zusammen mit dem Neuropsychologischen Institut der Universität Zürich unter Prof. Dr. Lutz Jäncke nahmen 43 dyslexische und 37 Kontroll-Kinder im Alter von 9-11 Jahren teil. Die Kinder arbeiteten etwa viermal wöchentlich ca. 15 ? 20 Minuten selbständig zu Hause an ihrem eigenen Computer. In den Ferien durften sie das Training unterbrechen. Auf andere Therapien sowie die Schule wurde kein Einfluss genommen, da Dybuster zum ergänzenden Einsatz gedacht ist. Einmal pro Woche führten die Kinder ihr Training an der ETH durch.

Die Überprüfung des Lernfortschritts erfolgte durch einen Rechtschreibtest, der zu wiederholt durchgeführt wurde. Die dyslexischen Kinder, welche nicht mit Dybuster trainierten, konnten sich zwischen der ersten und zweiten Messung nur um 3.2 Fehler verbessern, was 4.3% ausmacht, während die dyslexischen Kinder mit Dybustertraining sich signifikant verbesserten. Sie konnten ihre Fehlersumme um rund 20 Fehler reduzieren. Dies entspricht einer Verbesserung von 26%. In den mit Dybuster gelernten Wörtern konnten sie sich sogar um 28.6% oder um rund 8 Fehler verbessern.

 

Dybuster ist in einer größeren und einer kleineren Ausführung erhältlich. Die größere Version enthält 8?000 gesprochene deutsche Wörter sowie einen Eingabemodus für eigene Wörter. Sie richtet sich hauptsächlich an Therapeuten und engagierte Eltern, während sich die kleinere Version mit 4?000 Wörter für den Einsatz durch die Schüler eignet. Weitere Informationen unter der angegebenen URL.

http://www.dybuster.com

 

Kontakt zum Autor
Dipl. Inf. Ing. Christian Vögeli, ETH Spin-off Dybuster AG
info@dybuster.com

Literatur
Murray, M. M., Foxe, J. J. & Wylie, G. R. (2005). The brain uses single-trail multisensory memories to discriminate without awareness.
Neuroimage, 27, 473-478. 
Shannon C. E. (1949).
The mathematical theory of information. University of Illinois Press.

 

 

 

 


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