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ADHS: Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung.
ADHD: Attention
deficit
hyperactivity disorder
ADS: Aufmerksamkeitsdefizitstörungen
ohne hyperaktive Komponente. Der Begriff wird aber häufig auch
als Oberbegriff für Aufmerksamkeitsstörungen verwendet unter
den Aufmerksamkeitsstörungen mit und ohne Hyperaktivität subsumiert
werden.
HKS: Hyperkinetische Störung.
ADHS wird häufig auch als HKS bezeichnet.
Hyperkinesie: gesteigerte Motorik; insbesondere
der Skelettmuskulatur mit zum Teil unwillkürlichen Bewegungen.
Kommt u.a. bei ADHS vor.
Syndrom: Gruppe zusammengehörender Symptome.
Eine organische Basis der Symptome wurde zum erstenmal von Still im Jahre 1902 vermutet, der die Kombination von Überaktivität, Aufmerksamkeitsstörung und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern beschrieb. Später wiesen Begriffe wie MCD (minimal cerebral dysfunction) oder das in der Schweiz noch gebräuchliche POS (Psychoorganisches Syndrom) auf den vermuteten organischen Ursprung hin.
Im ICD-10 werden die hyperkinetischen Störungen differenziert in "Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung" (F90.0) (Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktivität) und "Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens" (F90.1) (zusätzlich Störung des Sozialverhaltens).
Im DSM-IV wird der Symptomkomplex als "Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung" bezeichnet, der im klinischen Alltag häufig durch den Begriff der Aufmerksamkeitsstörung ersetzt wird. Nach den Kriterien des DSM-IV kann auch eine Aufmerksamkeitsstörung ohne hyperaktive Symptomatik diagnostiziert werden.
Der Begriff der Unaufmerksamkeit beschreibt die
mangelnde Aufmerksamkeitsorientierung und Zielgerichtetheit des
Verhaltens. Einzelheiten werden nicht beachtet und die Kinder verlieren
rasch das Interesse an den Sachen, mit denen sie augenblicklich
beschäftigt sind. Aufgaben werden häufig nicht zu Ende
gebracht. Sie wirken sprunghaft und ablenkbar. Bei Aufgaben verlieren
sie häufig ihr Ziel aus den Augen und vergessen, was sie eigentlich
tun wollten.
Die Hyperaktivtät umschreibt die motorische
Unruhe der Kinder. Sie können beispielsweise nicht ruhig sitzen,
sondern zappeln und rutschen auf dem Stuhl umher. Sie tollen übermäßig
herum. Übermäßigen Rededrang trifft man häufig an.
Der Begriff Impulsivität umschreibt das vorschnelle und unbedachte
Verhalten. Beim Bearbeiten von Aufgaben reagieren die Kinder oft voreilig,
was zu vermehrten Fehlern führt. Bei Gruppenaktivitäten
können sie nur schwer abwarten. In standardisierten Situationen
(Unterricht) verstoßen sie oft gegen die Regeln.
Im Kindesalter zeigen sich insbesondere eine kurze Aufmerksamkeitsspanne, oppositionelles Verhalten und Hyperaktivität. Bei Jugendlichen reduziert sich meist die Hyperaktivität, es treten jedoch oppositionelle Verhaltensweisen und impulsive Symptome (bis hin zu aggressiv-dissozialen Störungen) in den Vordergrund. Die Kernsymptome bestehen unbehandelt bei 30% der betroffenen Kinder bis ins Erwachsenenalter fort.
Lauth und Mackowiak (2004) untersuchten das Unterrichtsverhalten von Kindern mit ADHS. Dabei ließen sich signifikante Unterschiede zu Kindern ohne ADHS in den Bereichen "aktiv störendes Verhalten" und "passives Verhalten" erkennen. Eine große Metaanalyse aus dem Jahr 1992 (Platzmann et al.) zeigte, dass negative Vokalisationen, allgemeines Aktivitätsniveau, Grobmotorik und ungeeignete Aufmerksamkeitssuche die Verhaltensweisen sind, die am besten zwischen Kindern mit ADHS und Kindern ohne ADHS differenzieren.
Die Symptomatik muss vor dem Alter von sechs Jahren auftreten. Insgesamt zeigt sich eine hohe Komorbidität mit anderen Störungen. Insbesondere ist ADHS mit oppositionellen Verhaltensstörungen (ca. 40%), aggressiv-dissozialen Störungen (60 %), Angst (29%) und Depressionen (ca. 27%) vergesellschaftet.
In diesem Kapitel werden die Kriterien der Diagnosesysteme DSM und ICD dargestellt und ihre Unterschiede beschrieben. Die Kriterien beider Systeme für eine Aufmerksamkeitsstörung ähneln sich sehr und die Unterschiede sind für den Praktiker nicht relevant. In der medizinischen Versorgung der BRD wird ausschließlich nach den Kriterien des ICD-10 diagnostiziert, wohingegen der DSM in der psychologischen Forschung verwendet wird.
Wenigstens 6 über den Mindestzeitraum von 6 Monaten aus den folgenden 9 Symptomen:
Wenigstens 6 über den Mindestzeitraum von 6 Monaten aus den folgenden 9 Symptomen:
Im DSM IV sind die Symptome der Impulsivität unter Hyperaktivität untergeordnet (in der Kriterienauflistung etwas abgesetzt). Folgende Diagnosen können nach dem DSM IV vergeben werden: "Aufmerksamkeitsdefizit- /Hyperaktivitätsstörung: Mischtyp", "Aufmerksamkeitsdefizit- /Hyperaktivitätsstörung: Vorwiegend unaufmerksamer Typ" und "Aufmerksamkeitsdefizit- /Hyperaktivitätsstörung: Vorwiegend hyperaktiv-impulsiver Typ".
Im ICD-10 sind für die Diagnose der
"einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitstörung" Hyperaktivität
und Unaufmerksamkeit notwendig. Die beeinträchtigte Aufmerksamkeit
zeigt sich darin, dass Tätigkeiten nicht beendet werden und
von einer Aktivität zur anderen gewechselt wird. Diese Defizite
in Aufmerksamkeit und Ausdauer sollten nur dann diagnostiziert werden,
wenn sie im Verhältnis zum Alter und Intelligenzniveau des
Kindes sehr stark ausgeprägt sind.
Die Überaktivität
im ICD-10 ist mit den Symptomen der Hyperaktivität im DSM IV
inhaltsgleich.
Folgende Begleitmerkmale stützen die Diagnose:
Distanzlosigkeit in sozialen Beziehungen, Unbekümmertheit in
gefährlichen Situationen und impulsive Missachtung sozialer
Regeln.
Folgende Diagnosen können nach ICD-10 vergeben werden:
"Einfache Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung"
(F90.0) und die "Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens"
(F90.1).
Im Rahmen einer multimodalen Diagnostik sollte neben
der Verhaltensbeobachtung des Klienten, einer Elternanamnese
auch Lehrer befragt werden. Der Diagnostiker kann zur Entscheidungsfindung
auch die Diagnose-Checkliste für Hyperkinetische Störungen (DCL-HKS)
von Döpfner und Lehmkuhl (1998) einsetzen. Weiterhin befinden
sich im Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischen und
oppositionellem Problemverhalten (THOP) zahlreiche Fragebögen
(auch für die Bewertung der Symptomatik durch die Eltern)
und halbstrukturierte Interviews.
Ein weiterer Fragebogen,
der zur Diagnostik von ADHS gewinnbringend eingesetzt werden
kann, ist das "Inventar zur Erfassung von Impulsivität,
Risikoverhalten und Empathie bei 9-14-jährigen Kindern"
von Stadler, Janke und Schmeck. Die Skala Impulsivität diskriminiert
zuverlässig zwischen Kindern mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung
(ADHS) und einer gesunden Kontrollgruppe. Diese Skala erfasst
anhand von 16 Items Aspekte kognitiver und motivationaler Impulsivität.
Bei Anwendung von Tests zur Erfassung der Aufmerksamkeitsleistung sollte darauf geachtet werden, dass die Testdauer mehr als 20 Minuten beträgt, da die kurzfristige Aufmerksamkeit bei Kinder mit ADHS nicht unbedingt gestört ist.
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KT 3-4 |
R. Heck-Möhling |
3. und 4. Klassen |
Erfasst die Genauigkeit, Arbeitstempo und Art der Fehler bei einer Konzentrationsleistung. Würfelfiguren müssen miteinander verglichen werden. Zwanzig Minuten reine Arbeitszeit. |
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TPK |
E. Kurth und G. Büttner |
2. bis 6. Klasse |
Erfassung von Leistungsmenge, Leistungsgüte und Stabilität bei wechselnden konzentrativen Anforderungen. Vierzig Minuten reine Arbeitszeit. |
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KLT-R |
H. Düker und G.A.Lienert |
sämtliche Klassenstufen |
Erfasst werden sowohl die Quantität als auch die Qualität der Dauerbeanspruchungen und des Leistungsverlaufs. Die Bearbeitungsdauer beträgt ca. 20 Minuten |
Bei der Darstellung der Testdiagnostik sollte näher auf die Konstrukte Aufmerksamkeit und Konzentration eingegangen werden. Aufmerksamkeit und Konzentration werden von Laien oft synonym verwendet, beschreiben jedoch zwei verschiedene kognitive Vorgänge. Schmidt-Atzert et al. (2004) analysierten beide Konstrukte und bieten folgende Definitionen an:
Aufmerksamkeit wird also dem Wahrnehmungsprozess zugeordnet, während die Konzentrationsfähigkeit eine Aussage über die Güte der Bearbeitungsleistung trifft.
Als Untersucher sollte man weiterhin darauf achten, dass Aufmerksamkeit ein mehrdimensionales Konstrukt darstellt. Man unterscheidet dabei die geteilte Aufmerksamkeit (z.B. diktierten Text aufschreiben - es wird gleichzeitig Zuhören und richtiges Schreiben gefordert) von der fokussierten Aufmerksamkeit (z.B. Rechenaufgabe bei Nebengeräuschen lösen - es wird gefordert, dass störende Geräusche ausgeblendet werden) und der Daueraufmerksamkeit (wie lange kann die Aufmerksamkeit über die Zeit hinweg aufrecht erhalten werden . Dabei kann es je nach selektiver Beeinträchtigung zu spezifischen Leistungsstörungen kommen (Büttner & Schmidt-Atzert, 2004)
Tests erfassen häufig Tempo- und Fehlerwerte, deren Summe den Testwert ergeben. Da beide Kennwerte unabhängig voneinander sind, kann in Einzelfällen die alleinige Betrachtung des Gesamttestwertes zu Fehlinterpretationen führen. So führen beispielsweise hohe Bearbeitungsgeschwindigkeit bei hoher Fehlerquote zum selben Gesamttestergebnis, wie eine mittlere Fehlerquote bei durchschnittlicher Bearbeitungsgeschwindigkeit, obwohl die zugrundeliegenden Fertigkeiten deutlich von einander zu unterscheiden sind.
Defizitäre Aufmerksamkeitsfunktionen weisen nicht ausschließlich auf ADHS hin. Aufmerksamkeitsprobleme gehören auch zur Symptomatik von affektiven Störungen (Angststörungen und depressive Störungen), psychotischen Störungen, Intelligenzminderungen, treten bei schulischer Über- und Unterforderung auf und können auch zur Symptomatik spezifischer neurologischen Erkrankungen gehören, an die bei der Differentialdiagnose gedacht werden muss. So kann eine "erhöhte Ablenkbarkeit" bei Hausaufgaben auch auf Vermeidungsverhalten im Rahmen einer oppositioneller Verhaltensproblematik hinweisen.
Typischerweise tritt die die Aufmerksamkeitsproblematik in mehreren Lebensbereichen auf. Diese kann in ihrer Intensität im Rahmen verschiedener Settings jedoch unterschiedlich ausgeprägt sein. Fast immer zeigt sich eine starke Symptomatik im Schulunterricht. Wenn sich das Kind in einer neuen Umgebung befindet bzw. nur mit einer Person zusammen ist oder einer attraktiven - wenn auch geistig anstrengenden - Beschäftigung nachgeht (z.B. Computerspiel) kann die Symptomatik nicht auftreten, was aber nicht als Ausschlusskriterium interpretiert werden sollte.
Problematisch für die Diagnostik ist auch
das gleichzeitige Auftreten von Symptomen aus dem Bereich der
Legasthenie und der Aufmerksamkeitsstörung.
So können legasthene Kinder als psychische Folgesymptomatik
Anteile einer ADHS-Symptomatik zeigen, wie auch Kinder mit ADHS,
Symptome einer Legasthenie aufweisen können. Hier ist es
wichtig, dass genau diagnostiziert wird und insbesondere darauf
geachtet wird, welche Symptome zuerst im Lebensverlauf auftraten,
um so auf die ursächliche Störung schließen
zu können.
Neben dieser Problematik gibt es jedoch auch
Kinder, bei denen ADHS und Legasthenie gleichzeitig vorliegen
und auch beide Störungen diagnostiziert werden sollten.
Dopaminmangel an postsynaptischer Membran
Aktuell geht man von einer Fehlregulation des Dopaminstoffwechsels
(dopaminerge Hypofunktion) bei Kindern mit ADHS aus. Dabei zeigt sich eine erhöhte
Wiederaufnahme des Dopamins durch die präsynaptische Membran, wodurch
im synaptischen Spalt ein Dopaminmangel herrscht. Weiterhin
wird eine erniedrigte Sensitivität der Dopamin-Rezeptoren auf
der postsynaptischen Membran diskutiert. Dies ist vermutlich die Ursache für
die Fehlregulationen bei den fronto-subkortikalen Regelkreisen,
die an der Steuerung von Motorik, Aufmerksamkeit und exekutiven Funktionen
beteiligt sind (Kontrollfunktionen sind unterdurchschnittlich ausgeprägt).Der Wirkstoff Methylphenidat (Ritalin) blockiert
die präsynaptische Wiederaufnahme, sodass Dopamin an der postsynaptischen
Membran länger zur Verfügung steht.
Kortikale Untererregung
Von Satterfield
(1978) stammt die populäre These, dass Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen
unter einer kortikalen Untererregung leiden. Von daher sind sie
bemüht, durch vermehrte Reizsuche (= Aktivität) ein günstigeres
Aktivierungsniveau herzustellen. Das unruhige Verhalten der Kinder
stellt also den Versuch dar, sich selbst zu stimulieren. Weiterhin
führt nach Satterfield die kortikale Untererregung zu einer
unzureichenden Hemmungskontrolle, was das impulsive Verhalten weiter
verstärkt.
Kortikale Übererregung
Eine alternative
Erklärung ist, dass Kinder mit ADHS aufgabenirrelevante Störreize
schlechter ausblenden können. Die wesentlichen Informationen
werden also nicht optimal erfasst. Es kommt zu (1) einer Überstimulation,
(2) kognitiven Überlastung und (3) eine reduzierte Fähigkeit,
die eingehenden handlungsrelevanten Informationen zu verarbeiten.
Weitere Befunde
Psychische Faktoren
Vermutlich spielen bezüglich des Schweregrades der Symptomatik auch motivationale Faktoren beim Kind eine wichtige Rolle. Anders wäre es nicht erklärbar, wie Kinder mit ADHS bei spezifischen Aktivitäten (z.B. Lernspiele am Computer) gute Leistungen erzielen. Eventuell lassen sich aus diesen Befunden auch Therapiebausteine entwickeln, die auf eine Erhöhung der Motivation des Kindes bei der Bearbeitung geistig anstrengender Aufgaben (z.B. Hausaufgaben) zielen und so zu einer Verbesserung der Symptomatik beitragen könnten.
Modelle zur Ätiologie
Integrative Modelle (Lauth und Schlottke, 2002) zur Manifestation und Aufrechterhaltung des Problemverhaltens gehen von (1) Beeinträchtigungen in den neurobiologischen Grundlagen der Aktivierungsregulation, (2) Einschränkungen in den Selbstkontrollkompetenzen, (3) unzureichende Verhaltenssteuerung, (4) problematische Reaktionen der Umwelt und (5) ungünstige reaktive Verarbeitungen bei Kindern mit ADHS aus.
In der Pharmakotherapie haben sich vor allem Psychostimulanzien
als wirkungsvoll bei ADHS erwiesen (Wirkstoff: Methylphenidat; Handelsnamen
der Medikamente:
Ritalin, Medikinet, Concerta). Bei ca. 75 % kommt es zu einer deutlichen Reduzierung
der Symptomatik.: Die Produktivität der und Genauigkeit bei
schulischen Leistungen nehmen zu, die Konzentrationsfähigkeit
und die Impulsivität bei einfachen Aufgaben verbessern sich,
hyperkinetisches und impulsives Verhalten vermindern sich deutlich.
Vermutlich als Folge der Symptomverringerung vermindert sich das
aggressive Verhalten, verbessert sich die soziometrische Position
des Kindes und kommt es zu einer Verbesserung der Mutter-Kind-Interaktion.
Hinsichtlich der Dosierung zeigt sich eine lineare Beziehung zwischen
Dosis des Medikamentes und kognitiven Leistungen bzw. Verhaltensänderungen.
mehr
Infos zu den Medikamenten Ritalin, Medikinet, Concerta und Strattera
Als Alternative zu Methylphenidat kann der Wirkstoff Atomoxetin angesehen werden. Atomoxetin ist ein Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer der in dem Medikament Strattera © bereits in den USA und Großbritannien zugelassen ist und seit März 2005 auch in Deutschland seine Zulassung erhalten hat. In einer Studie von Prof. Jan Buitelaar von der Universität Nijmegen zeigte sich eine gute Wirksamkeit von Atomoxetin bei ADHS. Ein weiteres Ergebnis der Studie war, dass nach initialer, einjähriger Behandlung ein Absetzversuch sinnvoll sein kann. Die Responderrate liegt bei 80% und auch die Wirksamkeit ist mit Präparaten, die Methylphenidat enthalten vergleichbar.
Therapieprogramme
In den letzten Jahren wurden einige verhaltenstherapeutische Therapieprogramme entwickelt. Zum Beispiel das Selbstinstruktionstraining von Lauth und Schlottke, die ein Gruppentraining konzipiert haben. Genannt werden sollte auch das "Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten" (THOP) von Döpfner, Schürmann und Fröhlich mit verschiedenen Therapiebausteinen, die je nach Indikation unterschiedlich realisiert werden.
In diesem Zusammenhang sollte auch noch das
"Marburger Konzentrationstraining für Schulkinder"
(MKT) und das "Konzentrationstrainings-Programm für
Kinder" genannt werden. Das MKT wurde von Krowatschek,
Albrecht und Krowatschek entwickelt und richtet sich an konzentrationsgestörte
Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren. Das Trainingsprogramm ist
insbesondere für Kinder mit einem impulsiven Arbeitsstil geeignet.
Das
"Konzentrationstrainings-Programm für Kinder" besteht
aus spezifischen Trainingsprogrammen für bestimmte Altersgruppen
(Vorschulalter, 1. und 2. Schulklasse sowie 3. und 4. Schulklasse).
Die Trainingsaufgaben werden detailliert aufgelistet und eine
Durchführungsanleitung gegeben.
Studien
In einer großen Studie von Owens et al. (2003)
wurden verschiedene Therapiesettings bei ADHS miteinander verglichen.
In dieser sogenannten MTA Studie wurden 4 Behandlungsstrategien
realisiert:
1. Allgemeine Grundversorgung durch
den Hausarzt, mit zum Teil medikamentöser Behandlung (Ritalin).
2.
Pharmakotherapie mit unterschiedlichen Dosierungen und monatlichen
Treffen mit den Eltern.
3. Ein verhaltenstherapeutisches
Programm mit Elterntraining, kindzentrierten Interventionen
und schulbezogenen Interventionen.
4. Eine kombinierte Behandlung,
in der die medikamentöse Behandlung (Ritalin) mit einem verhaltenstherapeutischen
Programm kombiniert wurde.
Die Ergebnisse waren zum Teil
überraschend, da die alleinige Pharmakabehandlung genauso effektiv
war, wie die kombinierte Behandlung und die alleinige medikamentöse
Behandlung effektiver war als die isolierte verhaltenstherapeutische
Behandlung. Die verhaltenstherapeutischen Maßnahmen zeigten jedoch
eine Verbesserung bei den Schulleistungen, der Eltern-Kind Interaktion
und der Verringerung oppositioneller und aggressiver Verhaltensweisen
bei Kindern mit ADHS.
In einer unveröffentlichten Untersuchung aus Spanien von Miranda (2005) wurde die Effektivität eines verhaltenstherapeutischen Trainingsprogramms für Lehrer hinsichtlich der ADHS-Symptomatik bei Schülern mit Aufmerksamkeitsstörungen (N=50) untersucht. In der Versuchsgruppe wurden die Lehrer in behavioralen und kognitiven Strategien trainiert, die sie während ihres Unterrichts bei den Kindern mit der Diagnose ADHS anwenden sollten. Die Lehrer der Kinder der Kontrollgruppe (n=21) erhielten kein Training. Die abhängige Variable stellte die ADHS-Symptomatik dar, welche durch Eltern- und Lehrerfragebögen und Beobachtungen in Klassenzimmern erhoben wurde. Die Ergebnisse zeigten eine Verringerung der ADHS-Symptomatik und eine Verbesserung der Schulnoten bei Kindern der Experimentalgruppe.
Literaturtipps
Als aktuelles
(kinder- und jugendpsychiatrisches) Fachbuch zum Thema,
kann das "Praxishandbuch
ADHS" von
Kahl, Puls und Schmid empfohlen werden. Ein sehr gutes
Grundlagenwerk!
Viel praktisches Wissen aus dem
psychotherapeutischen Alltag findet sich in dem Buch
von Armin Born und Claudia Oehler "Lernen
mit ADS-Kindern". Ein empfehlenswerter Elternratgeber
ist der von Schäfer und Gerber mit dem Titel Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung.
Psychotherapeutische Manuale finden sich in dem Text
Psychotherapie.
Inhaltlich verwandte Texte
Medikamente
- recht ausführlicher Grundlagentext über die medikamentöse
Behandlung bei ADHS
Psychotherapie
- Darstellung der psychotherapeutischen Therapiemanuale
Diagnostik
- Text über die Diagnostik bei ADHS
Genannte Quellen
Martin, N.C., Levy, F., Pieka, J. & Hay, D.A. (2006). Genetic study of attention deficit hyperactivity disorder, conduct disorder, oppositional defiant disorder and reading disability. International Journal of Disability, Development & Education, 53, 21-34.
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